Das satte Volk und seine Wahl

Timur und sein Trupp schrieb's. Am 29. September 2009 um 21:14 Uhr.

Ich selbst habe eine gewisse Abneigung zu der Form von Wahlkämpfen, wie sie in der Bundesrepublik geführt werden. Mein Sohn (fast 11) schrieb heute in sein Tagebuch: „Mama und Papa wählen nur Leute, die der Partei ‚die Linke’ angehören. Warum nur? Sind wir Menschen nicht alle gleich?! Ich glaube man braucht gar keine SPD, CDU, die Linke, die Grünen usw.“ Das ließ mich nachdenken, denn er hat aus Sicht eines Kindes Recht. Jedoch sind die Realitäten andere und er spürt es auch in seiner Klasse, wenn dort der Neffe eines CDU-Kandidaten sitzt, der ausschließlich darüber definiert wird, weil er derjenige welcher ist. Veränderungen in diesem Land gehen z.Z. nur über die Einflussnahme von politischen Parteien. Die Mitglieder wiederum machen insgesamt nur ca. 2 Prozent der Gesamtbevölkerung aus. Rechnet man diese von der Wahlbeteiligung ab, dann haben sich immerhin noch 70 % auf den Weg ins Wahllokal gemacht. In anderen Ländern, wo die Demokratie auf der Kippe steht, wie in Afghanistan gehen die Menschen trotz Bombenterror zur Wahl, um ihre Stimme abgeben zu können. Wir in Deutschland schaffen es aber nicht, das satteste Volk der Welt davon zu überzeugen, dass die Wahl nicht nur das Kreuz in einem blauen und schwarzen Kringel bedeutet. Also waren die 2 Prozent der Bevölkerung und dazu zählen ich auch uns Linke, nicht überzeugend genug, um Menschen, die zu satt sind, um sich um ihre Zukunft Gedanken zu machen, zu einer Entscheidung für das Wohl eines ganzen Volkes zu bewegen. Ja, wir haben als Linke gut – aber nur gut – abgeschnitten. Darauf können alle stolz sein, die Plakate geklebt, Infostände betreut und Infomaterial verteilt haben, die vor Rechner gesessen haben und das Web flott aufmischten, die sich vor die Kameras, Mikrofone und Notizblöcke stellten und diese knapp 12 Prozent für die Linke erstritten. Auch gut, dass ultrarechtes Gedankengut zumindest in dem Bundesparlament und auch in meiner alten Heimat Brandenburg keinen Parlamentsplatz gefunden hat. Doch wir haben eines nicht verhindern können, dass es eine Weiterführung der sozialen Abwärtsspirale als Politik des Landes geben wird. Von der Warte her könnte ich mutmaßen, dass viele bedruckte Papiere, viele digitale Speicherplätze und noch mehr graue Gehirnzellen am Ziel vorbei „vergeudet“ wurden.  Die gute Vorortarbeit der Linken und ihrer Sympathisanten, die selbst von der CDU und der SPD nicht in Abrede gestellt wird und eher noch beneidet wird, weil man selbst oft nur die Nadelstreifenanzügeträger in den eigenen Reihen weiß, wurde wieder einmal nicht honoriert. Ich wage zu behaupten, dass nicht einmal viele Menschen, die von den staatlichen Hilfsmitteln leben und in den „Genuss“ gekommen sind, immer weniger in der Tasche zu haben, die Linke wählten, weil sie eine Verbesserung herbeisehnen. Allein in der Gruppe der alleinstehenden Mütter, der großen Gruppe von Arbeitslosen, den Familien, die keinen Krippen- bzw. Kitaplatz bekommen können, der immer mehr anwachsenden Gruppe von Familien, die ihre Kinder in Berlin und anderswo in die Archen zum Essen, Hausaufgaben machen und Spielen schicken und schicken müssen, der Gruppe der Rentner … hätte ein wahnsinniges Wählerpotenzial für einen Neuanfang in dieser Bundesrepublik Deutschland gesteckt. Auch wir haben sie nicht aus dem Dornröschenschlaf wecken können. Sie habe genommen, wenn die Linke etwas wie das Sozialticket in Leipzig erreicht hat, sie haben zugesehen, wenn die Linke für eine Aufstockung der Regelsätze für Hartz IV aufgerufen hat, sie schaut mit Häme zu, wie auch im Westen der Republik Arbeitsplätze (NOKIA) massenweise abgebaut werden. Es sind nur noch Randnotizen, wenn Bundeswehrsoldaten getötet oder verletzt werden oder wenn über 70 Prozent der Rückkehrer mit psychischen Dauerschäden als Folge des Krieges in Afghanistan oder auf dem Balkan ihr Leben weiterleben müssen. Die Nachrichten verkünden ohne Widerhall des Wahlvolkes, dass wieder mehr als 100 Menschen bei einem Bombenanschlag getötet wurden. Das alles und mehr berührt das DEUTSCHE VOLK nicht mehr. WARUM? 

Ziel wird es sein und da schließe ich mich (wie siehe oben schon selbst beklagt) ein, dass wir die nächsten vier Jahre nicht den anstehenden weiteren Sozialabbau beklagen und á la Wahlplakate immer eine „Gegen“-Kampagne starten. Sondern wir müssen konsequent die öffentlichen Thesen der Regierenden aufgreifen und mit eigenen, nicht populistischen, sondern realistischen Vorschlägen untermauern, um die geltende Staatsmeinung ad absurdum zu führen. Bieten wir den regierenden Parteien unsere Mitarbeit an und stellen Opposition mal auf den Kopf. Wir müssen doch nicht „JA“ sagen zu den Entscheidungen, aber wir sollten den Menschen besser als in den letzten Jahren mitteilen, wie die Linke auf Entscheidungen eingewirkt hat, dass sie „Schlimmeres“ verhindern konnte. Dazu bedarf es einer breiteren und verständlicheren Öffentlichkeitsarbeit in der Qualität. Weg mit viel bedruckten Flyern und Plakaten, hin zu interessanten und lesenswerten Zeitungen und Zeitschriften, hin zum noch besseren Internet mit Plattformen, die auch den politischen Gegner mehr einladen zum Diskutieren bei uns, zur Auseinadersetzung mit Ideen - die Talkshow im Netz. Hin zu mehr eigenen oder nahestehenden Medien, die über uns und unsere Arbeit kritisch berichten, die aufzeigen, wie wir um jede Meinung und damit um jede Verbesserung untereinander und mit den politischen Freunden und den politischen Gegner streiten. Aber, trotz Verständlichkeit, sollte alles auf einem hohen geistigen Niveau gestaltet werden. Denn wer sich Fortschritt in der Bildung auf die roten Fahnen schreibt, muss als Vorbild wirken.

Vielleicht durchblicke ich noch nicht alles, was getan wurde. Aber, wenn es mehr gab, so hat es mich nicht erreicht und viele andere auch nicht! Oder? Es ist sicherlich eine sehr gewagte Sicht auf das Wahlergebnis und auch vielleicht unfair, da ich mich nicht konkret innerhalb der Partei am Wahlkampf beteiligt habe. Ich habe sicherlich an meinem Arbeitsplatz sehr viel dafür gesorgt, dass Menschen einander verstehen, einander respektieren, miteinander reden und zuhören. Das sind für mich Anfänge von Veränderung! Miteinander, auch wenn die Meinung des Anderen uns nicht gefällt, aber vielleicht überzeugen wir unser Gegenüber, wenn wir versuchen zu verstehen, warum er so denkt und können dann aus dieser Erkenntnis heraus, diesen einen Menschen oder viele in einem Kompromiss aus seiner Sicht und unserer Sicht zu einem neuen und gemeinsamen Weg gewinnen. Das, was sicherlich an der Basis im Alltag geübt und gelebt wird, sollte sich auf die große Politik übertragen. 


Die Schneekönigin

Timur und sein Trupp schrieb's. Am 23. Dezember 2007 um 22:39 Uhr.

Heute waren wir bei der Schneekönigin in einer Inszenierung des Leipziger Schauspielhauses. Eine wundervolle Aufführung. Lebendige Schauspieler mit einer spürbaren Lust am Spiel für ihr Publikum. Scheinbar nicht nur eine Aufführung wie jeder, sondern, jede dieser Vorstellungen ist eine Einzigartige. Das Publikum ist ja auch einzigartig. Nicht nur weil immer von Aufführung zu Aufführung wechselnd, sondern, weil es überwiegend Kinder sind, die sich das Märchen von der Schneekönigin anschauen. Der Hans Christian Andersen hat mit diesem Stück viel zum Ausdruck gebracht, was Kindern lehrreich sein kann und letztlich gerade bei dieser Inszenierung im Wort Liebe endet.

Aber, nicht nur Kinderaugen füllten sich mit Staunen über diese wunderbare Welt der Fantasie zwischen eisiger Kälte und der wärmenden Kraft der Liebe.

Meine Erinnerungen an frühere Zeiten, an die eigene Kindheit füllten meine Augen mit Tränen. Schön, dass es dunkel war und mein Sohn sich mehr auf das Stück dort vorn konzentrierte. So blieb meine Aufmerksamkeit geteilt und schweifte das ein oder ander Mal ab in die fernen Zeiten, in denen Theaterbesuche zum Leben eines Kindes, zu meinem Leben dazu gehörten, wie das tägliche Brot. Futter für die Seele, den Geist, der mich beflügeln sollte, ein Mensch zu werden. Da stand die Zauberflöte schon weit der Wiederentdeckung des großen Mozarts an seinem 250. Todestages in den 70er Jahren auf dem Programm und musste nicht neu durch Chemnitzer Opernleute als Lockmittel für die Entdeckung der Oper für Kinder aus der verstaubten Schublade gezogen werden. Aber auch später die Fledermaus, um beim musikalischen Theater zu bleiben. Oder Hänsel und Gretel und noch mehr. Viele kleine und große kulturelle Höhepunkte, die ich erst heute zu schätzen weiß, da ich nicht das Geld habe, um meinem Sohn diese kulturellen Einblicke fernab von TV, PC oder Konsole bieten zu können. Diese technischen Hilfsmittel haben sicherlich in der Erstanschaffung mehr gekostet als eine Familienkarte für knapp 28 Euro im Theater, aber sie können mehrfach genutzt werden. Und wie könnte ich hier schreiben, wenn mich nicht der schicke PC durchs Leben begleiten würde?

Sei es, wie es sei. Den Kindern hat es gefallen und sie ahnen noch nicht viel von dem, was ihnen im Leben noch an Höhen und Tiefen begegnen wird. Und schließlich gehören diese Kinder ja auch schon zu den privilegierten. Denn, wir haben uns ein passendes Weihnachtsgeschenk für die Familie geleistet oder andere Eltern konnte einfach mal das Geld für diese und weitere Kinderstücke (demnächst auch Kalif Storch) ausgeben. Andere, die an den Tafeln sitzen oder zur Arche gehen haben nichts davon, stehen im Abseits. Oder wieder andere wissen gar nichts von klimatisierten Theatern mit Headsetmikrofonen für die Schauspieler, mit Pauseneis und Märchenbox. Schaut auf die Erlebnisse der anderen, der sogenannten DRITTEN WELT à http://danyonited.tune-up-it.de/twiga/

Zwei parallele Welten und ohne Märchenhaftes. Beides rührt zu Tränen, wenn man gewillt ist, zuzuschauen, zu lesen, zuzuhören und zu verstehen, was hinter den Worten steckt: die Realität. Dann wird mir immer wieder ganz schnell bewusst, wie glücklich meine Kindheit war. Ja, sie war glücklich im Osten, der Zone, in der DDR. Mit Abstand betrachtet, waren die Ansätze trotz politischer und ideologischer Gleichschaltung weiter als die Diskussionen um Kinderrechte für das Grundgesetz (gut das der Tierschutz schon drinsteht), Trauer um täglichen Kindesmissbrauch, auch wenn er nicht täglich durch die Medien kommentiert wird, Spendenschreie großer Organisationen wegen das minütlichen Sterbens von hungernden und kranken Kindern. Schade, dass es so verraten wurde, der Ansatz von einer gerechten und vor allen Dingen kinderfreundlichen Gesellschaft. Eine Änderung ist gegenwärtig nicht mehr erkennbar, aber vielleicht, wenn wir uns mit unseren eigenen Kindern mehr beschäftigen. Dann muss es nicht immer das Theater sein, ein paar Seiten Vorlesen am abendlichen Bett, ein gemeinsames Lied zu Weihnachtszeit, Spaziergänge durch laubübersäte Wälder, raufen im Kinderzimmer oder am Strand durch die frisch gebaute Sandburg reichen manches Mal aus, um das Leben zwischen Kind und Eltern durch Liebe gehaltvoll zu gestalten und einen vielleicht neuen Menschen für eine Gesellschaft zu entwickeln lassen.


Was muss in Zukunft passieren, dass Europa noch besser zusammenwächst?

Timur und sein Trupp schrieb's. Am 18. November 2007 um 20:28 Uhr.

Europa wächst zusammen. 2007 war das Jahr, in dem sich die Union in Europa auf 27 Staaten vergrößerte. Somit hat die Europäische Union über 492 Millionen Einwohner. Jetzt lebt hier die drittgrößte Bevölkerung der Welt nach China und Indien. Auf diesen Menschen baut Europa auf und für diese Menschen wird Europa gestaltet. 

Aber, Europa ist größer. Weitere Staaten bemühen sich, unter dem Dach der Europäischen Union einen Platz zu finden. Menschen aus anderen Regionen der Welt wünschen, nach Europa zu kommen. Allein 2006 wurden 192.000 Asylanträge gestellt. Gerade 2007 drängte darüber hinaus so viele Flüchtlinge wie nie an die Grenzen Europas. 

2007 war aber auch das Jahr, in dem sich mehr Bevölkerungsgruppen in der Union von ihren eigentlichen Staatsgebilden trennen wollten. In Spanien sind es die Basken, die ihren Kampf für ein unabhängiges Baskenland wieder aufnahmen. Auch die Katalanen streben nach Unabhängigkeit. Nordirland steht weiterhin auf der politischen Tagesordnung in Großbritannien. Selbst die Belgier erkennen, dass sie lieber getrennte Wege von sich selbst gehen wollen. Und vor unseren Grenzen warten die Kosovaren auf ein Signal der europäischen Politiker besonders nach der scheinbar so erfolgreichen Wahl. 

Trotz des Zuwachses der Bevölkerung ist die Arbeitslosenquote in Europa auf 7,3 Prozent gegenüber 8,1 % im Vorjahr gesunken. 

Europa lebt von der Verbesserung der Lebensverhältnisse, um diese in allen Staaten angleichen zu können. Diese anzugleichen wird das angestrebte Ziel aller Menschen in der Union sein. 27,3 Prozent des Bruttoinlandsproduktes wurden insgesamt in den 25 europäischen Staaten bis 2004 für den Sozialschutz ausgegeben.

Das Bruttoinlandsprodukt wird in diesem Jahr um 2,9 Prozent steigen. Was einen Zuwachs an wirtschaftlicher stärke bedeutet. Der Euro wächst gegenüber dem Dollar um 0,10 Euro gegenüber dem Vorjahr auf 1,3410 Dollar. Die Wirtschaft in Europa ist im Wachsen und trägt zu dieser wirtschaftlichen Stabilität bei.

Und dieses so augenscheinlich erfolgreiche Bild von Europa wird von Menschen gezeichnet, die sich tagtäglich im Alltag engagieren.

Daher gibt es letztendlich eine allgemeine Antwort auf die Frage „Was muss in Zukunft passieren, dass Europa noch besser zusammenwächst?“: Europa braucht engagierte Menschen, denen das eigene Wohl genauso wichtig ist, wie das ihrer Nachbarn.


Lebensende

Timur und sein Trupp schrieb's. Am 16. November 2007 um 22:42 Uhr.

Der Gedanke daran, bis 67 arbeiten gehen zu müssen, lässt mich fiebern. Nicht, weil ich ein fauler Mensch bin, nein, weil ich schon jetzt das Gefühl habe, ausgebrannt zu sein. Immer und immer wieder sich neuen Anforderungen zu stellen, zu erfüllen, begeistert über das Geschaffte, um die Unzufriedenheit der Schöpfer von Aufgaben zu erfahren. Keine Anerkennung, die könnte zum Stillstand, ja zum Rückwärtsgang führen. Kein Ausruhen nach der Tat. Es geht weiter, immer weiter. Und doch zeigen die Herren in Frack und Zwirn, dass sie auch im hohen Alter zur Höchstform auflaufen können, Dinge bewegen, Konzepte für das Leben entwerfen, die Gegenwart bestimmen. Und ich denke an Aufhören, an mein Leben, es genießen wollen, weil ich am Ende bin, etwas geschaffen habe fürs Gemeinwohl. Jedenfalls aus meiner Sicht. 


Im schwarzen Block oder vom Fehlen der Farbe

Timur und sein Trupp schrieb's. Am 3. Oktober 2007 um 21:13 Uhr.

Sie waren nicht da die herbeiersehnten 300.000 engagierten Leipzigerinnen und Leipziger. Zur Demo gegen die offene Ummantelung der Gesellschaft von Rechts kam nur ein Prozent. Und die waren wieder größten Teils in Schwarz gekleidet. Die Bunten mussten sich durchschlängeln vom Eisbecher in der Nikolaistraße zum Kuchenflirt im Hauptbahnhof und zurück. Natürlich Kopfschüttelnd! Und vielleicht hatten Sie recht?

Die Bunten hatten sicherlich Angst: Angst vor den an die Krawalle von Rostock erinnernden schwarzen Jugendlichen? Angst vor der lauten Punkmusik mit den provokanten Texten? Angst vor den mit Videokameras bewaffneten Polizeibeamten, die sich auch nicht an das Filmverbot hielten, das gilt, wenn keinerlei Gefahr von einer Demonstration ausgeht? Angst davor, als Bunter mit einer eigenen Meinung erkannt zu werden von Freunden, Bekannten, Kollegen, Chefs? Ganz verständlich!?  Und doch waren sie alle dabei. Mampfend sind wir ihnen begegnet im Einkaufsgedränge der Bahnhofspassagen. Hinter den Gardinen der Fenster konnten wir sie beobachten beim Vorbeigehen. Durch die Balkonblumen den Aufzug fotografierend sahen wir sie. Die Polizeikräfte unterstützend standen sie in den zu sperrenden Nebenstraßen. Ins Mikrofon des MDR schimpfend gestikulierten sie am Rande der Bahn. Verächtlich schauend auf die Demonstrierenden von der erhöhten Position der vorbeizuckelnden Straßenbahnen erkannten wir einige ältere Reisende.

Schimpf und Schande brachten sie über die Stadt! Nein, nicht die, mit denen wir dort demonstrierten! Nein, die die sich wegdrehten, die lächelten, die die Köpfe schüttelten und auch die, die ängstlich dreinschauten. Die Stadt der friedlichen Demonstrationen von ´89 ist satt und trübe geworden, so dass leider das reine SCHWARZ des Demonstrationsblockes so sehr auffiel. Wenn jedoch SCHWARZ der einzige Farbton der Zukunft sein soll, dann kann ich auch etwas zufrieden sein, denn diese Farbe deckt wenigstens das alte Braun vollständig ab.  

 


Schwarzer Mut erregt Spießer Wut

Timur und sein Trupp schrieb's. Am 30. September 2007 um 22:18 Uhr.

Manches Mal glaube ich, die Stadt, in der ich wohne, gar nicht so richtig zu kennen. Leipzig: Messestadt, Olympiabewerberstadt, Fußball- und Bogenschützen-WM-Stadt, Bachstadt. Eigentlich klingt das ganz “Weltoffen”. So betrachte ich diese Stadt, in der ich wohne und arbeite und lebe. So durchquere ich diese Stadt in einem sicheren Fluss. 

Und dann komme ich ins Stocken. Sehe schwarz gekleidete junge Leute, wütend, grimmig hereinschauend. Sie ziehen hinter meinem Wagen zum Hauptbahnhof und rufen laut. Ich kann es nicht verstehen. WAS? 

Das kann ich nicht verstehen, warum diese jungen Leute, die nach G8 bei allen Passanten nur den Schrecken von “Schwarzen Block” hervorrufen, durch diese weltoffene friedliche Stadt laufen? 

Doch dann die Erinnerung an einen Zeitungsartikel. Erinnerung an die Ohnmacht eines Immobilienvermieters, Ohnmacht eines Hoteldirektor, Ohnmacht einer künftigen Frisörladenbesitzerin, Ohnmacht von Polizei, Stadt und Bevölkerung über die Errichtung eines “Thor Steinar”-Ladens, einem Klamottenladen der rechten Szene, am City-Ring. Nicht weit von der Stelle, wo 1989 mehrere Hunderttausend für eine neue Zeit den Weg frei riefen. Menschen allen Alters, vorwiegend die reifere Generation mit den Idealen eines besseren und freieren Lebens. 

Unter diese Freiheitswünsche mischten sich bald auch die nach der Rückkehr der alten und weitläufigeren Grenzen in Europa und der Welt. Die Haare wurden kürzer und der Schneid schnittiger, kantiger auch die Parolen. Und solange die Herren ohne Gegenwehr durch die Stadt liefen war auch alles Gut. 

Nun sammelte sich seit den letzten 10 Jahren immer mehr der Protest gegen diese Art der Meinungsäußerung aus den Zeiten von Adolf und Co. Bunt begegnete ein kleiner, aber wirkungsvoller Teil der Leipziger den Aufmärschen. Erst standen auch Barrikaden in Flammen, um sich dem massiven Polizeischutz, den die alte Schutzstaffel benötigte, zu erwehren, dann kamen sogar bürgermeisterlich begleitete Sitzblockaden hinzu. Und schließlich suchte man das Weite in Erfurt oder anderswo. 

Jedoch wer glaubte, das war alles, sieht sich jetzt getäuscht. Sie kommen wieder, leiser und getarnter, als saubere Geschäftsleute. Und nun sind sie offen in der Stadt mit einem Ladengeschäft an den Eingangstoren zur Leipziger Einkaufscity in bester Lage und wollen verkaufen. Und zwar Waren, die ganz offiziell als eindeutig “faschistisch” eingestuft werden. 

Wie das nur? Erst einmal, wie kann man in einem Staat solche Waren offiziell anbieten dürfen, wenn sie schon als “faschistisch” gelten? Wie können Immobilienvermieter sich derartig vom Inhalt der Gewerbetätigkeit täuschen lassen? Warum ziehen weitere Mieter nicht ihre Konsequenzen und fordern aufgrund dieser Nachbarschaft die sofortige Kündigung des bestehenden Mietvertrages? 

Antworten geben die handelnden Personen oft selbst: „Es war bis zum Vertragsabschluss nur ganz allgemein von Streetwear die Rede“, beteuert der Mitarbeiter der Berliner Immobilienfirma Immovaria. „Der Interessent sagte, es soll eine Überraschung werden.“ (LVZ, 26.09.2007) Oder: „Ich selbst wurde am Montag schon als Nazi beschimpft“, so die Friseurin entsetzt. „Wir haben doch gar nichts damit zu tun.“ (LVZ 29.09.2007) Oder: „Es gibt keine Möglichkeit, einfach aus dem Vertrag auszusteigen“, so Girod. Deshalb wolle man zunächst „das Gespräch mit dem Mieter suchen“. Ziel der Kontaktaufnahme: den Thor-Steinar-Leuten einen freiwilligen Rückzug nahe legen. Und die Polizei schütz das Eigentum der rechten Ecken: „Das Geschäft wurde deshalb in die Liste der besonders gefährdeten Objekte aufgenommen und wird jetzt verstärkt von Polizeistreifen beobachtet“, so Behördensprecher Andreas Loepki. (LVZ 26.09.2007) 

Da sind nur die Sorgen der unbescholtenen Bürger und Geschäftsleute nach dem eigenen Eigentum herauszulesen, nicht etwa der Protest, dass über 60 Jahre nach Kriegsende immer noch völkische Rhunengeister durch unsere Straßen wehen. Kein Wort davon, dass es keine rechtsstaatliche Handhabe gibt, um dagegen vorzugehen, dass sich diese Geister wieder in den Hirnen und auf der Haut jungen Menschen einisten können. 

Jedoch die schwarzen jungenLeute, die sich noch tapfer gegen diese Gehirn- und Klamottenwäsche wehren, stehen zur Anklage. Sie scheinen gegen ihre Verzweiflung, dass sie scheinbar allein auf der Straße stehen und gegen den Rechtswind sich stemmen, zu kämpfen. Leider auch mit allen Mitteln, die ihnen in die Hände gegeben werden. Schade, dass Steine fliegen, schade, dass Farbbeutel die frisch restaurierte „Goldenen Kugel“ verschandeln! 

Schade, dass dort nur 120 stehen und nicht die 300.000 von damals, von 1989, die sich für die Freiheit der Andersdenkenden einsetzten. Schade, dass diese Menschenmasse sich nicht wieder in einem friedlichen Demonstrationszug an diesem Laden vorbeibewegt. Schade, dass nur diese jungen Menschen den Mut haben, sich gegen eine tiefgreifende Geisteshaltung in Leipzig, Sachsen und Deutschland zu wehren. 

Ich habe die Hoffnung, dass am Mittwoch, den 3. Oktober 2007, um 14:00 Uhr, wieder 300.000 Menschen sich am Hauptbahnhof treffen, um zu zeigen, dass die Einheit Deutschlands doch kein rechter Irrtum gewesen ist, sondern wirklich nur den Willen von Millionen Menschen nach einer neuen, freien und friedlichen Republik verwirklichen sollte. 


Kleiner Test

Timur und sein Trupp schrieb's. Am 11. September 2007 um 10:39 Uhr.

Es ist schon gefährlich, wenn sich Menschen des öffentlichen Lebens zu Problemen äußern und deren Tragweite entweder vorher nicht begriffen haben oder erst ein Erwachen im Moment der unüberlegten Äußerung kommt. Nun ist Eva Herrmann nicht unbedingt die Journalistin im klassischen Sinne - von der Tagesschaumoderatorin (wohlgemerkt nicht Redakteurin oder Journalistin) zur Talkshowmoderatorin zur Buchautorin. Aber, etwas mehr Moral hätte man von ihr, die wohl für ein großes Publikum (siehe die Verkaufszahlen ihrer Bücher und die Einschaltquoten bei ihren Talkshows) auch meinungsbildend ist. Unsere Meinungsäußerungen als Deutsche, die das sogenannte dritte Reiche (welche Bedeutung man dieser Zeit mit diesem Begriff auch immer beimisst) betreffen, werden immer noch arg beobachtet. Das ist gut so, aber verlangt dieses Feingefühl, dass wir nicht einfach mit Lob über diese Zeit herumwerfen: sei es hier diese Äußerung über die Familienpolitik von Adolf und Co. oder der tolle Autobahnbau oder die weniger Arbeitslosen oder oder oder … Sehr ungeschickt!

Jedoch die Aufregung der Medien ist unverständlich. Warten wir doch mal ab. Gestern beim NDR raus, heute beim ZDF kurz vorbeigeschaut und morgen ein neuer Sendeplatz bei den Privaten. Da spielen die Äußerungen vom Inhalt her keine Rolle mehr, nur die Quote, die man mit dem “Skandal” im Nachfeld noch erreichen kann, zählt. Nur, hatten wir das nicht schon einmal mit einer Miss Tagesschau? Wie hiess sie nur …