Denkanstoß des Tages – Keine Angst

Igor Levit (links) und Danger Dan vor dem ZDF-Studio in München. Dort sollte ihr gemeinsamer Auftritt mit dem Lied „Keine Angst“ für die Kabarettsendung „Die Anstalt“ aufgezeichnet werden. Fotoquelle: https://www.facebook.com/share/p/1D94df4sko/
Igor Levit (links) und Danger Dan vor dem ZDF-Studio in München. Dort sollte ihr gemeinsamer Auftritt mit dem Lied „Keine Angst“ für die Kabarettsendung „Die Anstalt“ aufgezeichnet werden. Fotoquelle: https://www.facebook.com/share/p/1D94df4sko/

Wie der öffentlich-rechtliche Rundfunk antifaschistische Kunst auslädt und die extreme Rechte zum normalen Gesprächspartner macht

Am Wochenende waren wir mit unseren Fahrrädern auf dem Kunstmarkt in Wustrow.

An der Seepromenade standen die Buden dicht beieinander. Schmuck lag auf Tüchern. Taschen hingen an Holzgestellen. Zwischen Töpferwaren, Holzpuzzeln und Bildern bewegten sich Urlaubsgäste in jener gelassenen Langsamkeit, die sich einstellt, wenn das Meer nicht weit ist und der Tag keine Termine kennt.

Wir stellten unsere Fahrräder vorschriftsmäßig ab. Dann mischten wir uns unter die Menschen.

Unsere Räder sind keine neutralen Gegenstände. Auf ihren Rahmen kleben kleine öffentliche Erklärungen. Aufkleber gegen rechts. Gegen Björn Höcke. Für Sea-Watch. Für Solidarität. Für eine Gesellschaft, in der Menschen nicht nach Herkunft, Hautfarbe, Religion oder Pass beurteilt werden. Es sind keine großen Transparente. Keine Lautsprecher. Keine Kampfansage. Nur ein paar bedruckte Quadratzentimeter, die sagen: Hier fährt jemand, der sich entschieden hat.

Auf dem Rückweg standen mehrere Menschen um die Räder. Nicht zufällig verstreut. Sie gruppierten sich so, dass wir nicht ohne Weiteres an die Schlösser kamen. Sie machten keinen Platz. Nicht von selbst. Sie sahen uns an. Wir sahen die Aufkleber. Sie sahen die Aufkleber. Niemand sagte zunächst etwas. Manchmal liegt die Botschaft einer Situation gerade in dem, was nicht ausgesprochen werden muss.

Vielleicht war es nur Rücksichtslosigkeit. Vielleicht war es Provokation. Vielleicht hatte es mit unseren politischen Bekenntnissen überhaupt nichts zu tun. Beweisen lässt es sich nicht.

Aber wer in Deutschland offen gegen rechts auftritt, lernt, solche Situationen anders zu lesen. Nicht hysterisch. Nicht paranoid. Aber aufmerksam. Man erkennt die kleinen Machtdemonstrationen. Das demonstrative Nichtweichen. Den Blick, der prüft, ob das Gegenüber einknickt. Die beiläufige Drohung, die sich später jederzeit als Missverständnis ausgeben lässt.

Wir gingen zu unseren Rädern. Wir machten uns Platz. Wir öffneten die Schlösser. Wir fuhren zurück in unsere Ferienunterkunft.

Wir hatten keine Angst.

Oder genauer: Wir ließen uns von ihr nicht bestimmen.

Tage vorher erklärte das ZDF, warum Danger Dan und Igor Levit nicht in der Jubiläumsausgabe der politischen Kabarettsendung „Die Anstalt“ auftreten durften. Sie sollten dort das Lied „Keine Angst“ aufführen. Ein Lied über die Frage, wie sich Menschen organisieren können, wenn Rechtsextremismus wächst, staatliche Institutionen versagen und demokratische Gegenwehr zu spät kommen könnte.

Das ZDF sagte den Auftritt kurzfristig ab. Nach Darstellung des Senders könne der Liedtext als Aufruf zu Gewalt verstanden werden. Ein solcher Aufruf widerspreche den Programmrichtlinien. An der Prüfung sei auch die Geschäftsleitung beteiligt gewesen. Die geplante, mehr als siebenminütige Aufführung lasse sich durch eine anschließende Diskussion nicht ausreichend einordnen. Welche Zeilen das ZDF konkret als Gewaltaufruf bewertet, teilte es in seiner ersten Erklärung nicht mit.

Das Team von „Die Anstalt“ widersprach öffentlich:

„Wir, ‚Die Anstalt‘, distanzieren uns von dieser Entscheidung des ZDF.“

Es nannte die Entscheidung mutlos. Gerade angesichts zunehmender rechtsextremer Gewalt habe es die Präsentation und anschließende Diskussion des Liedes als öffentlich-rechtliche Pflicht angesehen. Auch der Deutsche Journalisten-Verband bewertete das Vorgehen als schwerwiegenden Eingriff in die redaktionelle Freiheit. Ver.di kritisierte einen Eingriff aus Angst vor möglicher Kritik.

Hier beginnt das eigentliche Problem.

Es geht nicht nur um ein Lied. Es geht nicht nur um Danger Dan. Es geht auch nicht allein um die Frage, ob einzelne Zeilen geschmackvoll, klug oder juristisch risikolos sind.

Es geht um die Angst einer Institution.

Und darum, vor wem sie offenbar Angst hat.

Das Grundgesetz ist nicht neutral gegenüber dem Faschismus

Zunächst ist eine Präzisierung notwendig. Das Grundgesetz enthält keinen Satz, der lautet: „Jeder Mensch ist zum Antifaschismus verpflichtet.“ Auch öffentlich-rechtliche Sender sind nicht verpflichtet, jedes Werk auszustrahlen, das sich selbst als antifaschistisch bezeichnet.

Eine solche Behauptung wäre juristisch zu grob.

Aber ebenso falsch wäre es, aus dieser fehlenden ausdrücklichen Formulierung eine weltanschauliche Neutralität gegenüber Faschismus und Nationalsozialismus abzuleiten.

Das Grundgesetz ist keine politisch leere Geschäftsordnung. Es entstand aus der Erfahrung der nationalsozialistischen Diktatur, des Holocausts, des Angriffskrieges und der Zerstörung der ersten deutschen Demokratie. Sein erster Satz stellt die Würde des Menschen über staatliche Verfügbarkeit. Artikel 20 verankert Demokratie, Sozialstaatlichkeit und Rechtsstaat. Artikel 21 ermöglicht das Verbot von Parteien, die darauf ausgehen, die freiheitliche demokratische Grundordnung zu beeinträchtigen oder zu beseitigen. Artikel 79 Absatz 3 entzieht die tragenden Verfassungsprinzipien selbst verfassungsändernden Mehrheiten.

Diese Ordnung ist wehrhaft. Sie darf ihre eigene Abschaffung nicht als bloße Meinungsvariante behandeln.

Das Bundesamt für Verfassungsschutz beschreibt die freiheitliche demokratische Grundordnung entsprechend als Ordnung unveräußerlicher Menschenrechte, der Volkssouveränität und demokratischer Herrschaft. Das Oberverwaltungsgericht Nordrhein-Westfalen bestätigte 2024, dass die AfD als Verdachtsfall einer rechtsextremistischen Bestrebung beobachtet werden darf. Es sah hinreichend gewichtige Anhaltspunkte für völkische Zielvorstellungen, Fremden- und Muslimfeindlichkeit sowie Positionen, die gegen Menschenwürde und Demokratieprinzip gerichtet sein können.

Der Verfassungsschutzbericht beschreibt für die AfD ein vielfach völkisch-abstammungsmäßig geprägtes Volksverständnis, rassistische Agitation und fortgesetzte Verbindungen zu Akteuren der extremistischen Neuen Rechten. Zugleich stiegen rechtsextremistische Straf- und Gewalttaten erheblich.

Antifaschismus ist deshalb keine beliebige politische Mode. Er ist auch kein exklusiver Besitz einer Partei oder Szene. Er ist die gesellschaftliche Konsequenz aus einer Verfassungsordnung, die verhindern soll, dass Menschenwürde, Demokratie und Rechtsstaat erneut schrittweise beseitigt werden.

Das verpflichtet niemanden zur Gewalt. Es legitimiert keine Sachbeschädigung. Es erlaubt keine Nachstellung, keine Veröffentlichung privater Adressen und keinen körperlichen Angriff auf politische Gegner.

Aber es verpflichtet öffentliche Institutionen zu Klarheit.

Wer aus öffentlichen Mitteln einen demokratischen Auftrag erfüllt, darf nicht so tun, als stünden demokratischer Antifaschismus und völkischer Nationalismus auf derselben verfassungsrechtlichen Ebene.

Der Text von „Keine Angst“ ist nicht harmlos

Eine ernsthafte Verteidigung der Kunstfreiheit darf den Text nicht weichzeichnen.

Danger Dan beschreibt keine Demonstration mit 99 bunten Luftballons. [Der Songtext befindet sich am Endes des Beitrags.] Der Song enthält konkrete Hinweise auf konspirative Organisierung. Er spricht von anonymen Gruppen, geheimer Kommunikation und dem Vermeiden von Spuren. Er empfiehlt die Recherche rechter Strukturen, das Beobachten von Personen und das Sammeln von Informationen. Er verweist auf Aktionen, deren mögliche Rechtswidrigkeit der Text selbst erkennt.

Später heißt es sinngemäß, man solle sich koordinieren, trainieren und auf Konfrontation einstellen. Die Formulierung, man werde die Gegner „langlegen“, ist bewusst martialisch. Die Andeutung mitgebrachter „Überraschungen“ ist keine pazifistische Metapher. Der Gruß an Personen aus Verfahren wegen gewalttätiger Angriffe auf Rechtsextreme verschärft die Aussage.

Der Text spielt mit der Grenze. Er weiß das. Er sagt es sogar.

Diese Passagen dürfen kritisiert werden. Sie müssen diskutiert werden. Wer Gewalt als politisches Mittel ablehnt, kann nicht so tun, als wäre jede Zeile allein durch das richtige Feindbild moralisch gereinigt.

Doch genau darum sollte es in „Die Anstalt“ gehen.

Nicht um eine unkommentierte Ausstrahlung im Kinderprogramm. Nicht um die Übernahme des Liedes als offizielle ZDF-Hymne. Nicht um eine Aufforderung des Senders an sein Publikum.

Geplant war die Aufführung eines kontroversen Kunstwerks in einer politischen Satiresendung. Danach sollte darüber gesprochen werden.

Das ZDF behauptet, gerade diese Einordnung reiche nicht aus. Das ist der schwächste Teil seiner Argumentation.

Denn wenn ein öffentlich-rechtlicher Sender sieben Minuten Kunst nicht mehr durch eine anschließende Diskussion einordnen kann, stellt sich die Frage, wozu er seine Studios, Redaktionen, Moderatorinnen, Moderatoren und Milliardenbudgets unterhält.

Einordnung ist kein nachträgliches Desinfektionsmittel. Sie ist der Kern journalistischer Arbeit.

Kunstfreiheit bedeutet nicht Sendepflicht

Juristisch besitzt Danger Dan keinen allgemeinen Anspruch darauf, in einer bestimmten ZDF-Sendung aufzutreten. Artikel 5 Absatz 3 schützt seine Kunst. Artikel 5 Absatz 1 schützt seine Meinung. Das ZDF besitzt seinerseits Rundfunkfreiheit und Programmautonomie. Zur Rundfunkfreiheit gehört auch die Entscheidung, welche Inhalte gesendet, bearbeitet oder abgelehnt werden. Artikel 5 des Grundgesetzes schützt diese Freiheiten ausdrücklich.

Deshalb ist die Absage nicht automatisch „Zensur“ im engen verfassungsrechtlichen Sinn. Das Lied wurde nicht staatlich verboten. Danger Dan darf es veröffentlichen und aufführen. Igor Levit darf es begleiten. Das ZDF hat ihnen keine allgemeine Verbreitung untersagt, sondern einen konkreten Auftritt in seinem Programm abgesagt.

Doch mit dieser Feststellung endet die Prüfung nicht.

Das ZDF ist keine private Kneipe, deren Betreiber nach Belieben entscheiden kann, wer auf der kleinen Bühne spielt. Es ist eine öffentlich-rechtliche Anstalt mit einem demokratischen Auftrag. Seine Programmautonomie schützt es vor staatlicher Lenkung. Sie ist kein Freibrief für willkürliche, sachfremde oder politisch opportunistische Eingriffe in die Arbeit der eigenen Redaktionen.

Hier war der Auftritt redaktionell geplant. Der Text war bekannt. Die Künstler waren eingeladen. Die Diskussion war Bestandteil des Konzepts. Erst kurz vor der Aufzeichnung griff die Geschäftsleitung ein. Die zuständige Sendungsredaktion widersprach öffentlich.

Das ist kein gewöhnlicher Fall redaktioneller Auswahl. Es ist ein hierarchischer Eingriff in ein vorbereitetes redaktionelles Konzept.

Genau deshalb ist die Frage nach dem milderen Mittel relevant.

Das ZDF hätte den Song ankündigen können. Es hätte auf die umstrittenen Passagen hinweisen können. Es hätte Strafrechtlerinnen, Extremismusforscher, Antifaschisten und Kritiker politischer Gewalt diskutieren lassen können. Es hätte den Widerspruch zwischen zivilem Widerstand und Selbstjustiz zum Thema machen können. Es hätte Danger Dan fragen können, was „wir legen sie lang“ bedeutet. Es hätte Igor Levit fragen können, warum er dieses Lied begleitet.

Es hätte Journalismus betreiben können.

Stattdessen zog es den Stecker.

Igor Levit ist nicht bloß der Mann am Klavier

Die Absage wird noch fragwürdiger, wenn man Igor Levits Rolle betrachtet.

Levit ist nicht nur ein international bekannter Pianist. Er gehört zu den deutlichsten öffentlichen Stimmen gegen Antisemitismus und Rechtsextremismus. Das ZDF kannte ihn nicht als zufälligen Begleitmusiker. Danger Dan und Igor Levit hatten bereits 2021 im „ZDF Magazin Royale“ gemeinsam „Das ist alles von der Kunstfreiheit gedeckt“ aufgeführt. Auch damals gab es nach späterer Darstellung interne Unsicherheit wegen des Textes. Die Performance wurde dennoch ausgestrahlt.

Levit war zudem gemeinsam mit Michel Friedman Initiator der Gedenkveranstaltung „Seid Menschen“ für Margot Friedländer im Berliner Ensemble. Das Haus bezeichnete Friedländer als eine der wichtigsten Aufklärerinnen und Kämpferinnen gegen Antisemitismus. Levit verstand es als seine tägliche Verpflichtung, ihre Botschaft weiterzutragen.

Die Botschaft Margot Friedländers war nicht kompliziert:

„Seid Menschen.“

Diese Worte waren keine Einladung zur Passivität. Sie stammten von einer Frau, die erlebt hatte, was geschieht, wenn Menschen wegsehen, schweigen, sich anpassen und glauben, es werde schon nicht so schlimm kommen.

Danger Dans Lied beginnt mit genau dieser Entscheidung: Warten, bis die Feinde der Demokratie stärker geworden sind, oder früh handeln.

Damit wird nicht jede im Lied genannte Methode legitim. Aber der historische und gesellschaftliche Zusammenhang ist unübersehbar.

Wenn Igor Levit diesen Song begleitet, verändert das nicht den Wortlaut. Es verändert jedoch den Aufführungskontext. Aus einer isolierten Anleitung wird eine gemeinsame politische Kunstperformance zweier Künstler, deren öffentliches Wirken gegen Antisemitismus, Faschismus und demokratische Gleichgültigkeit gerichtet ist.

Das ZDF reduzierte dieses Gesamtwerk auf seine gefährlichste mögliche Lesart.

Es prüfte offenbar nicht, wie Kunst wirkt, sondern wie sie skandalisiert werden könnte.

Die lange Leine für die AfD

Zur gleichen Zeit produziert und verbreitet der öffentlich-rechtliche Rundfunk lange Dokumentationen über den Erfolg der AfD. Der NDR-Beitrag trägt den Titel „Zwischen Frust und Suche nach Halt: Warum die AfD so viel Zuspruch bekommt“ bspw. befasst sich mit der politischen Lage in Mecklenburg-Vorpommern vor der Landtagswahl und mit den Gründen für die Stärke der Partei.

Dokumentationen über die AfD wie diese sind nicht grundsätzlich falsch. Im Gegenteil: Eine Partei, die erheblichen Einfluss besitzt, muss journalistisch beobachtet werden. Ihre Strukturen, Wählergruppen, Strategien und Widersprüche gehören untersucht.

Aber jede Kamera schafft Aufmerksamkeit. Jedes lange Interview schafft Nähe. Jede Reportage, die den Rechtsextremismus einer Partei vor allem als Ausdruck von „Frust“, „Sorge“, „Suche nach Halt“ oder mangelnder politischer Anerkennung erzählt, riskiert eine Verschiebung.

Dann erscheint eine Ideologie der Ungleichwertigkeit nicht mehr als politisches Projekt, sondern als verständliche emotionale Reaktion.

Der rechte Funktionär wird zum besorgten Nachbarn. Die rassistische Forderung wird zur zugespitzten Problembeschreibung. Die völkische Vorstellung vom Volk wird zur kontroversen Position im demokratischen Meinungsspektrum.

Das Publikum erfährt viel darüber, warum Menschen AfD wählen. Es erfährt weniger darüber, was geschieht, wenn die politischen Vorstellungen dieser Partei Macht erhalten.

Es fehlen historische Verbindungslinien. Nicht weil die AfD mit der NSDAP gleichgesetzt werden sollte. Solche Gleichsetzungen sind analytisch unpräzise. Aber weil autoritäre Bewegungen wiederkehrende Methoden nutzen: die Einteilung der Bevölkerung in Zugehörige und Fremde, die Delegitimierung unabhängiger Medien, die Verächtlichmachung parlamentarischer Verfahren, die Einschüchterung kultureller Institutionen und die Vorbereitung des Staates auf eine Herrschaft der Ausgrenzung.

Der öffentlich-rechtliche Rundfunk zeigt die AfD häufig als Gegenstand des politischen Betriebs. Er zeigt sie seltener als langfristiges Projekt zur Veränderung dessen, was in Deutschland als normal, sagbar und durchsetzbar gelten soll.

Auch die Sommerinterviews von ARD und ZDF trugen und tragen zu dieser Normalisierung bei. Parteivorsitzende erhalten den institutionellen Rahmen des demokratischen Gesprächs. Das ist bei einer im Bundestag vertretenen Partei journalistisch erklärbar. Es darf aber nicht mit neutraler Kulisse verwechselt werden.

Eine demokratische Gesprächssituation macht den Gesprächspartner noch nicht demokratisch.

Entscheidend ist die Härte der Befragung. Werden Widersprüche offengelegt? Werden falsche Tatsachenbehauptungen sofort korrigiert? Werden rassistische oder völkische Begriffe in ihre ideologische Tradition eingeordnet? Werden die praktischen Folgen politischer Forderungen benannt? Oder darf die Partei ihre Begriffe setzen, während die Moderation nur nach taktischen Möglichkeiten und Koalitionen fragt?

Wo diese Einordnung fehlt, wird das Interview nicht automatisch Propaganda. Es kann aber zum Resonanzraum werden.

Der Unterschied zum Umgang mit Danger Dan ist auffällig.

Die AfD darf ihre Botschaften über lange Strecken selbst formulieren. Der antifaschistische Künstler darf sein Lied nicht aufführen, weil die anschließende Diskussion angeblich zur Einordnung nicht genüge.

Das ist kein ausgewogenes Maß.

Es ist die Verkehrung des Maßstabes.

Die bekannten Rückzieher

Die Absage von Danger Dan und Igor Levit steht nicht allein. Die Fälle sind unterschiedlich. Sie beweisen keine zentral gesteuerte Kampagne gegen linke Kunst. Aber sie zeigen ein Muster institutioneller Nervosität.

Dieter Hildebrandt und der „Scheibenwischer“

1986 blendete sich der Bayerische Rundfunk aus einer laufenden „Scheibenwischer“-Sendung aus. Anlass war die satirische Behandlung der Atompolitik nach Tschernobyl. Der damalige Fernsehdirektor bezeichnete Teile der Sendung als makaber und geschmacklos.

Das war kein antifaschistischer Konflikt. Aber es war ein früher und besonders sichtbarer Fall, in dem eine öffentlich-rechtliche Leitung politische Satire nicht diskutierte, sondern abschaltete.

Danger Dans Laudatio auf Igor Levit

Bei der Ausstrahlung des Opus Klassik 2022 kürzte das ZDF aus einer Laudatio Danger Dans eine Passage, in der AfD-Sympathisanten scharf angegriffen wurden. Nach Kritik stellte der Sender die vollständige Fassung bereit. Der politische Bezug war zunächst aus der Fernsehfassung verschwunden.

Der Vorgang war kleiner als die aktuelle Absage. Aber die Richtung war ähnlich: Eine explizite Kritik an der AfD wurde im Schnitt entschärft.

Max Uthoff

2025 durfte Max Uthoff vorübergehend nicht in „Die Anstalt“ auftreten, nachdem er sich öffentlich zur Partei Die Linke bekannt hatte. Das ZDF berief sich auf eine Regel, nach der programmprägende Persönlichkeiten in den sechs Wochen vor einer Wahl nicht auftreten sollen, wenn sie sich aktiv für eine Partei engagieren. Nach der Bundestagswahl sollte Uthoff zurückkehren.

Dieser Fall ist rechtlich anders gelagert. Die Regel wurde auch auf Bernhard Hoëcker angewandt, nachdem dieser für die Grünen geworben hatte; eine Ausgabe von „Wer weiß denn sowas?“ wurde deshalb aus dem Programm genommen.

Der Uthoff-Fall zeigt, wie schnell öffentlich-rechtliche Neutralität als Abwesenheit erkennbarer politischer Bindung verstanden wird.

Das ist bei einem Nachrichtensprecher nachvollziehbar. Bei einem politischen Kabarettisten wirkt es eigentümlich. Satire ohne Haltung ist Dekoration.

„Umweltsau“

2019 löschte der WDR nach massiven Protesten das satirische Kinderchorvideo „Meine Oma ist ’ne alte Umweltsau“. Intendant Tom Buhrow entschuldigte sich. Der Fall wurde von rechten und rechtsextremen Akteuren aufgegriffen und eskaliert.

Auch hier wich eine Senderleitung zurück, als eine progressive, klimapolitische Satire zur Zielscheibe wurde. Der Sender schützte seine Redaktion und die beteiligten Kinder nicht mit der Entschlossenheit, die notwendig gewesen wäre.

Diese Fälle dürfen nicht zusammengerechnet werden, als hätten sie denselben Anlass. Das wäre unseriös.

Aber ihre gemeinsame Struktur ist erkennbar: Sobald politische Kunst oder progressive Stimmen starken Druck erzeugen, neigen Leitungsebenen zur Distanzierung. Die Redaktion wird allein gelassen. Das Werk wird gelöscht, geschnitten, verschoben oder ausgeladen. Der Sender nennt es Verantwortung. Von außen wirkt es wie Angst.

Angst ist längst ein politisches Instrument

Die Angst betrifft nicht nur Programme. Sie betrifft Menschen.

Dunja Hayali zog sich 2025 nach massiven Anfeindungen und Morddrohungen zeitweise aus den sozialen Medien zurück. Zu den Drohungen gehörte die Hoffnung, sie möge vor ihrer Familie erschossen werden. Es handelte sich um eine kurze Social-Media-Pause, nicht um einen Rückzug aus ihrer journalistischen Tätigkeit.

Gerade diese Präzision ist wichtig. Hayali hat ihren Beruf nicht aufgegeben. Aber der Vorgang zeigt, wie digitale Gewalt den öffentlichen Raum verengt. Wer sichtbar ist, wird bedroht. Wer sich äußert, muss persönliche Gefährdung einkalkulieren.

Georg Restles Wechsel von „Monitor“ in die Leitung des ARD-Studios Nairobi darf dagegen nicht als Flucht vor rechter Gewalt ausgegeben werden. Dafür gäbe es keinen Beleg. Der WDR stellte den Wechsel als Übernahme einer neuen journalistischen Aufgabe dar.

Belegt ist das allgemeine Klima. Die Studie „Lauter Hass – leiser Rückzug“ kommt zu dem Ergebnis, dass mehr als die Hälfte der Internetnutzerinnen und -nutzer ihre politische Meinung aus Angst vor Hass seltener äußert. Frauen, Menschen mit sichtbarem Migrationshintergrund und queere Personen sind besonders betroffen.

Für Journalistinnen und Journalisten bedeutet das: Nicht jeder Rückzug wird angeordnet. Manche Grenzen entstehen im Kopf, weil die Folgen kalkulierbar geworden sind. Man wählt eine vorsichtigere Formulierung. Man verzichtet auf den Kommentar. Man sagt einen Auftritt ab. Man lässt einen Satz im Schneideraum liegen. Man nennt es Qualitätskontrolle. Vielleicht ist es manchmal Selbstschutz.

So entsteht Selbstzensur nicht durch einen Minister mit Rotstift.

Sie entsteht durch Erwartungsmanagement.

Bereitet sich der öffentlich-rechtliche Rundfunk auf eine AfD-Regierung vor?

Es gibt keinen Beleg dafür, dass ARD und ZDF eine geheime Strategie verfolgen, sich einer künftigen AfD-Regierung zu unterwerfen. Es gibt keinen nachgewiesenen Beschluss, antifaschistische Stimmen zurückzudrängen, um Intendantenposten und Gehälter zu retten.

Aber politische Essays dürfen aus Tatsachen Schlüsse ziehen. Sie dürfen Verdachtsmomente benennen. Sie dürfen institutionelles Verhalten deuten.

Und das Verhalten ist beunruhigend.

Die AfD greift den öffentlich-rechtlichen Rundfunk seit Jahren grundsätzlich an. Sie will Beiträge kürzen, Strukturen zerschlagen und politische Kontrolle ausweiten. Mitarbeitende des ÖRR wissen, dass eine Regierungsbeteiligung der Partei unmittelbare Folgen für Finanzierung, Personal, Gremien und Auftrag haben könnte.

Institutionen reagieren auf solche Bedrohungen selten heroisch. Häufig beginnen sie früh, sich anzupassen. Nicht durch offene Kapitulation. Durch kleine Verschiebungen.

Man lädt den aggressiven Gegner besonders häufig ein, um nicht den Vorwurf der Ausgrenzung zu riskieren.

Man behandelt seine Propaganda als normale Position, um sich unangreifbar zu machen.

Man stellt seine Gegner und seine Kritiker unter besonders strenge Beobachtung, damit niemand Parteilichkeit behaupten kann.

Man schneidet einen Satz über AfD-Sympathisanten.

Man lässt einen linken Kabarettisten vor der Wahl pausieren.

Man erklärt einen antifaschistischen Song zum Risiko.

Man nennt das Ausgewogenheit.

So kann vorauseilender Gehorsam aussehen. Nicht zwingend. Aber möglicherweise.

Der Verdacht lautet nicht, dass jeder Redakteur und jede Journalistin sich bereits nach neuen Herren richtet. Viele leisten hervorragende Arbeit. „Monitor“, „Panorama“, „Kontraste“, „Frontal“, regionale Investigativredaktionen und zahlreiche Radioformate dokumentieren Rechtsextremismus hartnäckig und mutig. Einzelne Journalistinnen und Journalisten zahlen dafür einen hohen persönlichen Preis.

Der Verdacht richtet sich gegen Leitungsebenen, die Risiken unterschiedlich gewichten.

Rechter Druck wird als politische Realität behandelt.

Antifaschistische Zuspitzung wird als programmliches Problem behandelt.

Wer so entscheidet, muss sich fragen lassen, ob er nicht bereits jene Machtverhältnisse vorwegnimmt, vor denen er seine Institution schützen möchte.

Da ist nicht „jedes rechte Mittel recht“. Dieser Satz wäre als Tatsachenbehauptung unhaltbar.

Aber jedes Zurückweichen nach rechts verschiebt die Grenze dessen, was beim nächsten Mal noch verteidigt wird.

Der falsche Gegner

Das ZDF hätte „Keine Angst“ zeigen und danach streiten können.

Es hätte sagen können: Dieses Lied richtet sich gegen Faschismus. Es enthält zugleich Passagen, die als Billigung rechtswidriger Methoden verstanden werden können. Wir zeigen es, weil Demokratie auch den Konflikt über ihre Verteidigung aushalten muss.

Das wäre Haltung gewesen.

Haltung bedeutet nicht Zustimmung. Haltung bedeutet, den Gegenstand nicht aus Angst vor seiner Wirkung verschwinden zu lassen.

Die Absage sendet eine andere Botschaft.

Sie sagt: Die mögliche Empörung über ein antifaschistisches Lied ist gefährlicher als die Normalisierung einer Partei, deren Verdachtsfallstatus gerichtlich bestätigt ist.

Sie sagt: Sieben Minuten Kunst können nicht eingeordnet werden, aber lange Interviews, Reportagen und Sommergespräche mit AfD-Funktionären schon.

Sie sagt: Die Redaktion einer politischen Satiresendung darf die Grenzen des Sagbaren nicht selbst verhandeln, wenn die Geschäftsleitung einen Reputationsschaden befürchtet.

Vielleicht wollte das ZDF nur einen Fehler vermeiden.

Es hat einen größeren begangen.

Denn Angst ist nicht neutral. Wer Angst vor dem falschen Gegenstand hat, schützt am Ende die Falschen.

Keine Angst

Als wir unsere Fahrräder vom Kunstmarkt holten, standen die Menschen noch immer dort.

Wir wussten nicht, was sie dachten. Wir wussten nicht, ob unsere Aufkleber der Grund waren. Wir wussten nur, dass wir unsere Räder nicht verstecken wollten.

Mecklenburg-Vorpommern ist ein Bundesland, in dem die AfD eine starke Basis besitzt. Rechte Parteien und völkische Milieus sind sichtbar. Wer sich dort mit einem Antifa-Aufkleber, einem Anti-Höcke-Spruch oder dem Zeichen einer Seenotrettungsorganisation bewegt, darf nicht darauf vertrauen, überall freundlich begrüßt zu werden.

Man kann angepöbelt werden.

Man kann bedroht werden.

Es kann mehr geschehen.

Das ist kein Grund, leichtsinnig zu sein. Aber es ist auch kein Grund, die eigene Haltung abzuschrauben, sobald sie jemandem missfallen könnte.

Wir hatten heute keine Angst.

Nicht, weil es nichts zu fürchten gäbe.

Sondern weil Demokratie dort endet, wo nur noch diejenigen sichtbar sind, die andere einschüchtern.

Der öffentlich-rechtliche Rundfunk besitzt größere Mittel als zwei Fahrräder an einer Seepromenade. Er besitzt Redaktionen, Sendezeiten, Archive, Orchester, Bühnen und einen verfassungsrechtlich geschützten Auftrag. Von ihm darf man mehr Mut verlangen als von zwei Urlaubern, die ihre Schlösser öffnen wollen.

Die Ausladung von Danger Dan und Igor Levit zeigt, wie viel Selbstbewusstsein rechtsnationales Denken inzwischen gewonnen hat. Es zeigt auch, wie weit die Angst reicht, sich mit den Rechten und den vermeintlich oder tatsächlich nationalsozialistischen Strukturen offen auseinanderzusetzen.

Danger Dan singt: „Keine Angst.“

Igor Levit setzt sich ans Klavier.

Die Redaktion will danach diskutieren.

Und die Geschäftsleitung sagt ab.

Vielleicht ist dies kein Beweis für eine bevorstehende Unterwerfung.

Aber es ist eine Warnung.

Nicht vor dem Lied.

Vor dem Sender.


 

Songtext: Danger Dan. Keine Angst

[Part 1]

Es gibt jetzt zwei Optionen, beide machen Stress

Eine ab morgen schon, die andere ab jetzt

Wir können darauf warten, dass sie in den Parlamenten

Und auf der Strasse erstarken, bevor wir sie bekämpfen

Und wir warten, warten, warten, das ist erstmal bequemer

Es geht uns trotzdem an den Kragen, nur halt etwas später

Die andere Möglichkeit bedeutete schon heute

Stress mit der Polizei und den ganz besonders deutschen

Dafür `ne kleine Chance, das Blatt nochmal zu wenden

Oder vielleicht das Schlimmste noch verhindern zu können

Du weisst nicht was du tun kannst, du weisst nicht wie das geht

Hör mir zu, ich hab´ vielleicht eine passende Idee

[Refrain]

Keine Angst, keine Angst, keine Angst, keine Angst

Keine Angst, keine Angst, keine Angst, keine Angst

[Part 2]

Ruf‘ erst mal ein, zwei Leute an, denen du vertraust

Auf die man sich verlassen kann und macht ein Treffen aus

Ihr gründet eine Gruppe, die keinen Namen hat

Kein Gründungsdatum und auch kein Verein oder so’n Quatsch

Redet mit Bars und Kneipen, fragt ob die für ’nen Abend

Räumlichkeiten für ’ne Party gegen Nazis haben

Ladet eure Freunde ein, ein kleines Festival

DIY, Eintritt frei, sammelt auf Spendenbasis Geld

Mit dem Geld das ihr verdient, kauft ihr Dosen um zu sprüh’n

Kauft ihr Aufkleber und Marker, sorgt dafür dass jeder sieht

Ihr habt keinen Bock auf Faschos und das hier ist eure Stadt

Lasst euch nicht erwischen, schaut nach Überwachungskameras

Nie ohne Handschuh, nie ’nen Fingerabdruck hinterlassen

Und erst recht nie filmen und niemals ein Foto davon machen

Von Aktionen nur denen, die selbst dabei waren, erzähl’n

Es geht um linke Straßenpolitik und nicht um Fame

Ihr braucht Regeln für die Kommunikation

Nicht nur Nazis und Konsorten, die in eurer Gegend woh’n

Auch die Sicherheitsbehörden werden sich schnell interessier’n

Ihr dürft von Anfang an alles nur geheim kommunizier’n

Das bedeutet: keine DMs, keine Messenger und Mails

Alles was verboten sein könnte immer Face to Face

Lasst das Handy zuhaus wegen Bewegungsprofil’n

Und wenn sie euch erwischen: Redet nicht mit ihn‘

[Refrain]

Keine Angst, keine Angst, keine Angst, keine Angst

Keine Angst, keine Angst, keine Angst, keine Angst

[Part 3]

Man wird sich wundern, wenn man weiss dass in den Kern‘

Dieser Gruppen meistens nur ein paar wenige gehör’n

Eine handvoll Leute reichen meistens aus

Eigene lokale Antifastrukturen aufzubau’n

Als nächstes müsst ihr die rechten Strukturen recherchier’n

Heimlich ihre Treffen und Demonstrationen fotografier’n

Findet raus wer Sie sind, was Sie tun, wo Sie leben, wo Sie arbeiten

Und findet raus mit wem Sie sich umgeben

Baut Fake-Accounts bei TikTok und bei Telegram

Dokumentiert alles was Sie schreiben, alles was Sie sagen

Holt den Papiermüll ab, lauft Ihnen nach

Zu Ihren Häusern, ihren Wohnungen, den Treffpunkten und Bars

Meldet euch bei jeder Singlebörse an

Irgendwie und irgendwann, kommt man an jeden Nazi ran

Werdet dreist, delinquent, akkribisch und kreativ

Stück für Stück füttert ihr so euer Antifaarchiv

Faschos leben abgeschottet, sie leben im Wahn

Mit Argumenten kommt man meistens nicht mehr an sie ran

Die Erfahrung zeigt, dass aber trotzdem doch etwas passiert

Wenn man ihr gesamtes Umfeld kontaktiert

Früher nannte man soetwas „Outingaktion“

Es hing’n Flyer und Plakate in den Vierteln wo sie woh’n

Mit Fotos und Funktionen, mit Namen und Adressen

Niemand wird ein Nazischwein als seinen Nachbarn möchten

Das frankierte man mit ein paar Telefonaten

Um ihre Schulen, Unis, Arbeitgeber zu beraten

Man wünschte einen guten Tag und fragte dann wie

Passt so etwas in eure Firmenphilosophie

Helft euren Lokalzeitungen mit Information‘

Wenn sie nicht schon von selbst dahinter komm‘

Dass es Probleme gibt mit Nazis in der Stadt

Vielleicht wird dann sogar die Staatsanwaltschaft wach

Mit etwas Glück kriegen sie Post oder gehen in den Knast

Doch hier wärt blöd wenn ihr euch auf den deutschen Staat verlasst

Die Erfahrung zeigt genau das Gegenteil:

Es gibt so viele Faschos bei der Polizei

[Refrain]

Keine Angst, keine Angst, keine Angst, keine Angst

Keine Angst, keine Angst, keine Angst, keine Angst

[Part 4]

Man möchte mein‘ dass die Sicherheitsbehörden

Rechte Strukturn‘ nicht bekämpfen sondern fördern

So mancher Polizist steht für die AfD zur Wahl

Uniter hat die Munition vom KSK

Das bedeutet: Parallel zum recherchiern‘

Müsst ihr eure Sicherheit selbst organisier´n

Nazis machen ihre Politik immer mit Angst

Mit Hass, mit Terror und roher Militanz

Man kann ihnen vieles vorwerfen

Aber jedoch nicht, dass man das was sie mit uns vorhaben, nicht wüsst‘ [?]

Und die Geschichte hat uns schonmal gezeigt

Es wird noch schlimmer wenn man gar nichts tut und schweigt

Keine Angst, nehmt es selber in die Hand

Die seh’n gefährlich aus aber wir legen sie lang

Koordiniert euch, fangt an zu trainier’n

Wenn ihr zusammen kämpft, dann kann es funktionier’n

Schon am ersten Tag, wenn ihr die Party macht

Besteht die Möglichkeit dass es vor der Türe kracht

Also plant immer mit der Konfrontation

Habt Überraschungen dabei wenn sie komm‘

Juristisch ist mal wieder die Grauzone geschrappt

Ich lasse ihn jetzt einfach mal im Raum den Elefant

Ist eh klar was zu tun ist, ich sag nichts mehr dazu

Liebe Grüsse an Lina, Gucci, Maja und Nanuk

[Refrain]

Keine Angst, keine Angst, keine Angst, keine Angst

Keine Angst, keine Angst, keine Angst, keine Angst

Keine Angst, keine Angst, keine Angst, keine Angst

Keine Angst, keine Angst, keine Angst, keine Angst

Keine Angst, keine Angst, keine Angst, keine Angst

Keine Angst, keine Angst, keine Angst, keine Angst

Credits

Text: © Danger Dan – Keine Angst

Album: Keine Angst (2026)

Quelle: https://songtextes.de/songtexte/danger-dan-keine-angst

Zum Shop von Danger Dan: https://dangerdan.shop/home


Das ZDF hat Danger Dan kurz vor der Aufzeichnung wieder ausgeladen.

Wir, „Die Anstalt“, distanzieren uns von dieser Entscheidung des ZDF. Wir empfinden die Entscheidung als mutlos – gerade jetzt, wo rechtsextreme Gewalt wieder stark zunimmt. Wir hätten es als öffentlich-rechtliche Pflicht angesehen, das Lied zu präsentieren und danach zu diskutieren.

Wie es aussieht, wenn Sender und Sendung nicht einer Meinung sind, seht ihr in der nächsten Folge der Anstalt am Dienstag, 21. Juli, um 22:15 Uhr im ZDF.

Quelle: https://www.instagram.com/dieanstalt?igsh=MTQ5bTZhaHNiNW5tbA==


ZDF-Statement zur 100. Ausgabe „Die Anstalt“

Das ZDF hat sich die Entscheidung der Absage nicht leicht gemacht. Aber nach intensiver redaktioneller Bewertung, in die auch das Justitiariat des ZDF eingebunden war, sind wir zu dem Schluss gekommen, dass der Text des Liedes als Anleitung zum politischen Extremismus verstanden werden kann, der Selbstjustiz propagiert und rechtswidrige Taten und Gewalt nicht ausschließt. Die vier Vornamen etwa, die am Ende der letzten Strophe mit „lieben Grüßen“ bedacht werden, sind identisch mit Vornamen einschlägig bekannter, zum Teil schon rechtskräftig verurteilter Linksextremisten.

Text und Aussage des Liedes erfordern eine gründliche journalistische Einordnung und Befassung, die das ZDF an anderer Stelle leisten wird. In einer Sonderausgabe von „aspekte“ etwa werden wir am Samstag, 18. Juli 2026, das Versprechen einlösen, uns dokumentarisch-journalistisch mit dem Lied von Danger Dan und dessen Thema ‚Widerstand gegen Rechtsextremismus‘ zu befassen und aufzuarbeiten. Auch das Team der „Anstalt“ wird sich in der betroffenen Ausgabe kritisch mit der Ausladung auseinandersetzen. Die gesamte Sendung befasst sich mit der Wehrhaftigkeit der Demokratie angesichts politischer Radikalisierung – und wird ab Samstag, 18. Juli 2026, vorab im ZDF-Streamingportal verfügbar sein.

Gleichwohl können wir den Unmut über die Kurzfristigkeit unserer Absage nachvollziehen. Ein Gesprächsangebot an Danger Dan zur Erläuterung der Entscheidung blieb bislang unbeantwortet.

Quelle: https://presseportal.zdf.de/pressemappe/default-20c900d8d1


Nachsatz

Ich bin als Journalist und in meiner Tätigkeit als Pressesprecher ein starker Verfechter des Öffentlich-Rechntlichen Rundfunk. Ich setze mich aber mit den gegenwärtigen Strukturen und Inhalten auseinander. Meine Hauptkritikpunkte sind:

  • zu hohe Intendaten und Leitungsgehälter;
  • zu wenige inhaltliche und strukturelle Abgrenzung vom Privatrundfunk;
  •  immer mehr Einfluss der politischen Parteien in den Rundfunkräten, die sich mit der „Zerschlagung“ des ÖRR mehr befassen als mit dessen Stärkung;
  • zu viele externe, vermeindliche Medienschaffende in den Programmen als Kommentierende sowie Talkshows;
  • Abbau fester Arbeitsplätze zu gunsten freier bzw. festfreier Journalsitinnen und Moderator:innen;

Es bedarf einer großen, strukturellen und inhaltlichen Reform des Öffentlich-Rechtlichen Rundfunks. Das steht für mich außer Frage.


Hinweis auf die Nutzung von KI

Für die Analyse von Dokumenten und für die Recherche der entsprechenden Medien wurde künstliche Intelligenz genutzt (Copilot, ChatGPT).


Recherche-Quellen: