05. Juni 2018 · Kommentare deaktiviert für „Die Kälte und die Finsternis“ oder die falschen Hoffnungen auf den 12. Juni 2018 · Kategorien: Büchermarkt, Politik

 

Robert Merle - Nachtjäger - Goldmann Verlag 1989 - ISBN-10: 3442092426

Robert Merle – Nachtjäger – Goldmann Verlag 1989 – ISBN-10: 3442092426

Stell Dir vor, es drückt jemand auf einen Knopf und plötzlich entwickelt sich aus einer unsäglichen Hitze und einem unermesslichen Lichteinfall erbitterte Kälte und totale Finsternis. Ein unvorstellbares Szenario und doch so nah, wie zu Zeiten des NATO-Doppelbeschlusses von 1979. Dieses Szenario beschreibt Robert Merle in seinem Buch Nachtjäger schon 1986:

„Dieses Buch hat den Titel Le Froid et les Ténébres (»Die Kälte und die Finsternis«). Es ist eine Zusammenstellung der Vorträge, die Wissenschaftler aus dreißig Ländern bei einem Symposion über die Folgen eines Atomkriegs (angenommener Einsatz von 5000 Megatonnen Sprengkraft) gehalten haben.

Es ist eine schauerliche Lektüre. Die Wissenschaftler schätzen, dass als Folge eines Krieges dieses Typs 500 Millionen Menschen durch die unvorstellbare Hitzeentwicklung in Nichts aufgelöst, durch die Druckwellen getötet oder durch die radioaktive Strahlung zu einem langsamen Tode verurteilt würden.

Das ist entsetzliche Aber es kommt noch schlimmere Denn nach Meinung dieser Wissenschaftler würde durch die Explosion der von beiden Seiten abgefeuerten Atomwaffen eine solche Menge Staub, Ruß und Rauch (vor allem infolge der riesigen Brände, die sie auslösen würden) in die Atmosphäre geschleudert werden, dass die Sonnenstrahlung sehr stark reduziert würde und die Erde für die Dauer von mindestens einem Jahr in Kälte und Finsternis versinken würde.

Die Temperatur würde nach ihrem Urteil weit unter den Gefrierpunkt sinken, sogar im Sommer. Die Vegetation würde erfrieren. Außerdem würde infolge der andauernden Finsternis die Photosynthese der Pflanzen nicht mehr möglich sein, die Nahrungsquellen für die Menschen und die Tiere würden schwer beeinträchtigt, wenn nicht sogar vernichtet werden.

Durch die daraus resultierende Hungersnot würden aller Wahrscheinlichkeit nach zweieinhalb Milliarden Menschen umkommen, zumal sich zu der Hungersnot noch ein anderes Übel gesellen würde: Die Feuerbälle des Atomkrieges würden nämlich zur Zerstörung eines wesentlichen Teils der schützenden Ozonschicht der Erdatmosphäre führen. Dadurch würde die ultraviolette Sonnenstrahlung in erheblichem Ausmaß verstärkt. Menschen und Tiere wären dann vom Erblinden bedroht, und ihr geschwächtes Immunsystem würde ihnen keine Abwehrkräfte gegen Krankheiten lassen.

Man ist verblüfft, wenn man erfährt, dass es nach einer so entsetzlichen Katastrophe — insgesamt drei Milliarden Menschen fallen ihr zum Opfer — trotz allem noch eineinhalb Milliarden Überlebende geben soll, fast ausschließlich in der südlichen Hemisphäre. Am wenigsten betroffen würde nach Meinung dieser Wissenschaftler die Bevölkerung Australiens und Neuseelands sein.“

Robert Merle: Nachtjäger. Goldmann Verlag 1989 (französische Originalausgabe 1986 Librairie Plon, Paris), ISBN 3-442-09242-6, Seiten 169, 170

Worüber müssen wir uns noch unterhalten, wenn wir von einem Trump hören und lesen, der neue, effizientere und kleinere Atomwaffen mit einer größeren Sprengkraft als die Hiroshima-Bomben haben sollen, aber gleichzeitig aus einem fragwürdigen, jedoch kontrollierbaren Atomdeal mit Nordkorea aussteigt. Wenn ein Putin sich aus einer Bedrohung heraus gemüßigt sieht, im atomaren Wettrüsten gleichziehen zu wollen. Israel über den iranischen Atomdeal wettert und gleichzeitig die eigenen Atomwaffen in Stellung gegen das Feindbild Iran ausrichtet. Wenn Staaten wie Pakistan, Indien, Nordkorea, China, Frankreich, Großbritannien und vermutlich auch Saudi Arabien zusammen mit den USA und Russland über 4.000 Atomraketen besitzen (Quelle: Wikipedia).

Doch schauen wir nicht auf den 12. Juni 2018. Erwarten wir nichts von einem Treffen zweier nicht durch die Mehrheit ihrer jeweiligen Bevölkerung legitimierter Despoten. Was soll bei dem Date an Friedensbotschaften herauskommen? Merle beschreibt in seinem sonst eigentlich eher romantisch anmutenden und damit antagonistischen Roman über ein französisches Atom-U-Boot ein atomares Szenario mit den Kenntnissen von 1986, also in dem Jahr, als Tschernobyl der Menschheit die Schrecken eines atomaren Gaus vor Augen führte. Jedoch seither haben sich die Waffensysteme verbessert, sind effektiver, schlagkräftiger, vernichtender geworden …

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