23. November 2017 · Kommentare deaktiviert für Von Panama ins Paradies – Reise nach Elysium · Kategorien: Politik · Tags: , , , , ,

„Im Jahr 2154 gibt es zwei Klassen von Menschen: Eine kleine Schicht von Privilegierten und Superreichen auf der Raumstation Elysium (latinisiert von altgriechisch Elysion für „Insel der Seligen“) und die Masse der Menschheit auf der abgewirtschafteten und überbevölkerten Erde, die nur noch als Produktionsstätte dient.“ Das ist die Beschreibung von Wikipedia zum 2013 erschienenen Film von Science-Fiction-Film von Neill Blomkamp: Elysium. (Quelle: https://de.m.wikipedia.org/wiki/Elysium_(2013))
Wie weit sind wir eigentlich von dieser Fiktion entfernt? Die Reichen und Schönen schotten sich nicht nur in den USA von der „Unterschicht“ in speziellen Wohnparks ab. Auch in Europa und sogar in Deutschland findet man paradiesähnliche Trutzburgen gegen das ärmliche und einfache Volk. Und dieses Volk darf über die hohen Mauern in TV-Shows schauen, Neid entwickeln und dem Irrglauben erliegen, dass all dieser Wohlstand durch der ehrlichen Händearbeit der Innsassen geschaffen wurde. Und genau dieser Naivität schlagen die neuesten Enthüllungen engagierter Journalisten ins Gesicht.
Nach Panama-Papers folgten vor kurzem die Paradies-Papers. Enthüllungen? Nicht wirklich. Wer täglich seiner Arbeit auf dem Bau, in der Bahn, im Büro oder als Lehrer in der Schule nachgeht, weiß genau, was er zum Leben übrig hat. Und er sollte sich bewusst sein, wer die Werte erschafft, die dort hinter Mauern und Stacheldraht verprasst werden.
Weder Führungskompetenzen von Managern, noch die Hintertriebenheit der Finanzjongleure an der Börse sind an der Wertschöpfung beteiligt. Ganz im Gegenteil, sie verbrennen das Geld der „kleinen Leute“. Die neuen Einblicke in die Tricks der „großen Leute“ ist nur in der Hinsicht interessant, dass dort Namen auftauchen, die man dort nie vermutet hätte. Die sogenannten Saubermänner unter den VIPs. Sie stehen im Fokus der Öffentlichkeit und führen diese hinters Licht. Blenden mit schönen, verschnörkelten Worten das unwissende Volk, um von ihren Geldvermehrungsstrategien abzulenken.
Beispiel Siemens: 6,3 Milliarden Gewinn auf der einen Seite. 7.000 zu streichende Arbeitsplätze weltweit auf der anderen Seite. Da werden Arbeitskräfte entsorgt, die vorher für die Milliardengewinne und damit die Boni der Manager um Siemens-Chef Joe Kaeser sicherten und Jahr für Jahr in die Höhe trieben. Der Grund: Abstoßen von der unrentablen Kraftwerkssparte. Das bedeutet, dass die Gewinnmarge weiter steigen soll. Die Herren kriegen einfach nicht den Hals voll genug.
So stellte Gregor Gysi auf dem Marseille European Forum dazu fest: „Vor fünf Jahren besaßen die reichsten 366 Menschen der Erde genauso viel wie die finanziell untere Hälfte der Menschheit, das heißt wie 3,6 Milliarden Menschen. 366 hatten so viel wie 3,6 Milliarden Menschen. Jetzt besitzen die reichsten 8 Menschen so viel wie die 3,6 Milliarden Menschen. Aber noch schlimmer ist eine andere Zahl. Die finanziell untere Hälfte der Menschheit hat in den letzten fünf Jahren 41 Prozent ihres Vermögens verloren.“ [Die vollständige Rede auf dem Marseille European Forum können Sie hier ansehen: https://youtu.be/0tPW3uKg4Nw.]
„Wie das Statistische Bundesamt (Destatis) nach den Ergebnissen der Erhebung LEBEN IN EUROPA (EU-SILC) weiter mitteilt, waren in Deutschland 16 Millionen Menschen von Armut oder sozialer Ausgrenzung betroffen.“ (Quelle: https://www.destatis.de/DE/PresseService/Presse/Pressemitteilungen/2017/11/PD17_392_634.html) Das sind 19,7 Prozent der Bevölkerung. Hier wird erst mit der Prozentangabe deutlich, wie dramatisch die Situation in einem der reichsten Länder der Welt ist.
Vor diesen Hintergrund der Zahlen wird deutlich, dass sich die oberen nicht einmal mehr 10 Tausend schämen müssten für ihren Reichtum. Tun sie aber nicht. Sie suchen weiter nach Möglichkeiten, ihren Reichtum zu vermehren und den Abstand zu den darunterliegenden Schichten größer werden zu lassen. Selbst gut verdienende Mitvlieder mittlerer Leitungskasten begreifen nicht, dass sie auch nur willfährige Werkzeuge der Herrschenden sind. Sie werden mit monetären Boni, schicken Autos und Häusern oder kleineren Aktienpaketen korrumpiert, um den Reichtum für die Reichen zu mehren. Und da entlassen sie schon mal 7.000 Arbeitskräfte wie bei Siemens oder fahren ein Unternehmen aus Geldgier wie bei Schlecker an die Wand.
Die Superreichen und ihre Lakaien blicken nicht in Familien, über deren Schicksal sie beschließen. Sie sitzen in ihren Elfentürmen und beobachten von dort über ihre Monitore die steigenden Geldkurven. Schön abgesichert hinter hohen Mauern. Ganz wie in der Science Fiction Vision von 2013: Elysium.

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