Denkanstoß des Tages: Wenn der Krieg plötzlich nebenan wohnt

Das Netzwerk um Covenant Industries: Investoren, Lobbyisten, frühere Bundeswehr- und Bundestagsmitarbeiter sowie politische Kontakte in Deutschland. Grafik: KI-generiert mit ChatGPT/OpenAI auf Basis der im Beitrag genannten Quellen.
Das Netzwerk um Covenant Industries: Investoren, Lobbyisten, frühere Bundeswehr- und Bundestagsmitarbeiter sowie politische Kontakte in Deutschland. Grafik: KI-generiert mit ChatGPT/OpenAI auf Basis der im Beitrag genannten Quellen.

85 Haushalte müssen ihre Wohnungen verlassen.

Nicht in der Ukraine.

Nicht in Russland.

In Südengland.

Am frühen Morgen des 27. September 2026 fahren drei verdächtige Fahrzeuge in Richtung RAF Fairford in Gloucestershire. Der britische Militärflugplatz wird von den US-Streitkräften genutzt.

Bewaffnete Polizisten stoppen die Fahrzeuge.

Fünf Männer werden festgenommen. Zunächst wegen des Verdachts auf Verstöße gegen das Sprengstoffgesetz. Später zusätzlich wegen des Verdachts der Vorbereitung eines Terroraktes.

Ein Sperrkreis von 400 Metern wird eingerichtet.

Spezialisten des britischen Militärs untersuchen die Fahrzeuge.

85 Haushalte werden evakuiert.

Wer hinter dem möglichen Anschlagsplan steckt und welches Motiv die Verdächtigen hatten, ist bislang nicht abschließend geklärt. Die britische Anti-Terror-Polizei warnt ausdrücklich vor Spekulationen.

Aber für eine Erkenntnis braucht es keine Spekulation:

Die Menschen, die ihre Wohnungen verlassen mussten, waren keine Soldaten.

Sie waren Nachbarn einer militärisch genutzten Einrichtung.

Standortwechsel.

Eine Sprengstoffdrohne am Flughafen Leipzig/Halle

Auch hier ist die Gefahr nicht mehr theoretisch.

Am Flughafen Leipzig/Halle wurde im August eine mit Sprengstoff präparierte Drohne gefunden. Nach dem Stand der Ermittlungen sollte sie offenbar ein ukrainisches Antonov-Frachtflugzeug treffen, das für militärische Transporte genutzt wird.

Der Anschlag scheiterte offenbar an einem technischen Defekt.

Die Bundesanwaltschaft übernahm die Ermittlungen. Sicherheitsbehörden untersuchen mögliche Verbindungen nach Russland. Abschließend bewiesen ist eine russische Urheberschaft bislang nicht.

Was dagegen feststeht:

An einem Flughafen mitten in Deutschland sollte offenbar mit Sprengstoff ein Flugzeug angegriffen werden.

In unmittelbarer Nähe arbeiten Menschen.

In unmittelbarer Nähe wohnen Menschen.

Über Straßen und Schienen rund um den Flughafen bewegen sich täglich Tausende Menschen.

Plötzlich bekommt das Wort „militärische Infrastruktur“ eine andere Bedeutung.

Militärische Infrastruktur endet nicht am Kasernenzaun

Das wird in der Diskussion über Aufrüstung gern vergessen.

Neben einem Militärflugplatz stehen Häuser.

Neben einer Kaserne befinden sich Wohngebiete.

Neben einem Rüstungsbetrieb fahren Straßenbahnen.

Neben militärischen Transportwegen liegen Dörfer und Städte.

Menschen arbeiten dort.

Kinder gehen dort zur Schule.

Familien leben dort.

Wer die militärische Bedeutung eines Standortes erhöht, verändert deshalb auch dessen Risikoprofil.

Das bedeutet nicht, dass jede militärische Einrichtung automatisch angegriffen wird.

Aber militärische Infrastruktur kann Ziel von Spionage, Sabotage, Terrorismus und – im äußersten Fall eines Krieges – militärischer Angriffe werden.

Fairford führt uns das vor Augen.

Leipzig/Halle ebenfalls.

Und trotzdem soll Leipzig jetzt noch eine weitere militärische Funktion bekommen.

Tausende Marschflugkörper aus Leipzig

Das amerikanische Unternehmen Covenant Industries[1] will in Leipzig den weitreichenden Flugkörper Anthem produzieren.

Nicht als Kleinserie.

Industriell.

Reuters berichtet von einer angestrebten Produktionsrate von bis zu 5.000 Flugkörpern jährlich ab 2028.

Anthem soll eine Nutzlast von mehr als 200 Kilogramm transportieren können. Covenant will mehr als 95 Prozent der Komponenten seiner europäischen Produktion aus Europa beziehen.

Das Unternehmen hat nach eigenen Angaben bereits einen europäischen Kunden. Wer dieser Kunde ist, wurde bislang nicht öffentlich genannt.

Covenant gehört zu einer neuen Generation amerikanischer Defence-Tech-Unternehmen.

Zu den Investoren gehören Andreessen Horowitz und Founders Fund.

Die Logik des Silicon Valley hält damit Einzug in die Produktion von Marschflugkörpern.

Schneller entwickeln.

Billiger produzieren.

Stückzahlen erhöhen.

Skalieren.

Nur geht es diesmal nicht um Smartphones.

Es geht um Waffen.

Reuters berichtet von Aufträgen im Umfang von rund 150 Millionen Dollar. Über Produktionsstätten in den USA, Deutschland und Israel strebt Covenant Kapazitäten von insgesamt bis zu 12.000 Flugkörpern jährlich an.

Das ist industrielle Massenproduktion von Kriegstechnik.

Und sie soll mitten in Leipzig stattfinden.

Leipzig kennt militärische Logistik seit zwanzig Jahren

Dabei beginnt die Geschichte nicht mit Covenant.

Seit dem 23. Mai 2006 ließen die US-Streitkräfte über den Flughafen Leipzig/Halle Passagierflüge für den regelmäßigen Austausch ihrer Truppen im Irak und in Afghanistan durchführen.

Das ist keine Behauptung einer Friedensinitiative.

Es steht in einer Antwort der Bundesregierung an den Deutschen Bundestag.

Ein ziviler Flughafen wurde damit gleichzeitig Bestandteil militärischer Logistik.

Damals wurde darüber gestritten.

Heute haben sich viele offenbar daran gewöhnt.

Vielleicht ist Gewöhnung ohnehin eines der wichtigsten politischen Instrumente unserer Zeit.

Was gestern noch außergewöhnlich erschien, bekommt heute einen Verwaltungsbegriff.

Aus Truppentransporten wird Logistik.

Aus Raketenfabriken werden Produktionskapazitäten.

Aus Aufrüstung wird Verteidigungsfähigkeit.

Und aus der Vorbereitung auf Krieg wird:

Kriegstüchtigkeit.

Deutschland soll wieder kriegstüchtig werden

Bundesverteidigungsminister Boris Pistorius hat dieses Wort bewusst gewählt.

Deutschland müsse bis 2029 „kriegstüchtig“ sein.

Seine Argumentation lautet: Nur ein militärisch starkes Deutschland könne glaubwürdig abschrecken. Und Abschreckung verhindere Krieg.

Das ist eine sicherheitspolitische Strategie.

Aber es ist nicht die einzige denkbare.

Denn auch Aufrüstung verändert Sicherheitslagen.

Sie erzeugt Gegenreaktionen.

Sie bindet gewaltige gesellschaftliche Ressourcen.

Sie verändert politische Prioritäten.

Und sie macht militärische Infrastruktur wieder zu einem selbstverständlichen Bestandteil unseres Alltags.

Für 2027 sind deutsche Verteidigungsausgaben von insgesamt rund 139,6 Milliarden Euro vorgesehen.

109,7 Milliarden Euro aus dem regulären Verteidigungsetat.

Weitere 29,9 Milliarden aus dem Sondervermögen Bundeswehr.

Der Deutsche Bundestag spricht selbst von einem erneuten Höchststand seit Ende des Kalten Krieges.

Deutschland rüstet auf.

Massiv.

Und Deutschland trägt diese Entwicklung mit

Das ist vielleicht die unangenehmste Erkenntnis.

Es wäre einfach, die Verantwortung allein der Bundesregierung zuzuschieben.

Pistorius.

Der Rüstungsindustrie.

Der NATO.

Ein paar Generälen.

Aber so einfach ist es nicht.

Das Zentrum für Militärgeschichte und Sozialwissenschaften der Bundeswehr befragt die Bevölkerung seit 1996 jährlich zu ihrem Verhältnis zur Bundeswehr sowie zu sicherheits- und verteidigungspolitischen Fragen.

Drei Jahrzehnte Daten.

Für die Erhebung 2026 wurden im April und Mai mehr als 2.200 zufällig ausgewählte Bürgerinnen und Bürger befragt.

Die Ergebnisse sind eindeutig.

58 Prozent befürworten höhere Verteidigungsausgaben.

64 Prozent wollen mehr Soldatinnen und Soldaten.

59 Prozent halten den neuen Wehrdienst für notwendig.

76 Prozent halten die weitere NATO-Mitgliedschaft Deutschlands für notwendig für die Sicherheit des Landes.

71 Prozent unterstützen die finanziellen Zusagen Deutschlands an das Bündnis.

Und das ZMSBw zieht daraus einen bemerkenswerten Schluss:

„Die Forderung nach einer Stärkung der Bundeswehr ist und bleibt ein gesamtgesellschaftlicher Konsens.“

Das muss man erst einmal wirken lassen.

Denn es bedeutet:

Die Aufrüstung Deutschlands wird nicht einfach gegen eine pazifistische Bevölkerung durchgesetzt.

Sie besitzt erheblichen gesellschaftlichen Rückhalt.

Kriegstüchtig? Ja. Aber wer soll den Krieg führen?

Dann kommt eine weitere Zahl.

Und sie verändert das Bild.

Nur 23 Prozent erklären sich bereit, im Falle eines militärischen Angriffs selbst bewaffnet in der Bundeswehr zu kämpfen.

Natürlich messen diese Fragen unterschiedliche Einstellungen.

Man darf daraus nicht schließen, jeder Befürworter höherer Verteidigungsausgaben wolle andere Menschen in einen Krieg schicken.

Aber die Diskrepanz bleibt bemerkenswert.

Mehr Geld für Verteidigung?

Mehrheitlich ja.

Mehr Soldaten?

Ja.

Neuer Wehrdienst?

Ja.

Selbst mit der Waffe kämpfen?

Nur eine Minderheit.

Vielleicht steckt darin einer der großen Widersprüche unserer Gegenwart.

Wir reden über Kriegstüchtigkeit, solange Krieg abstrakt bleibt.

Solange andere die Uniform tragen.

Solange andere an der Grenze stehen.

Solange andere ihre Kinder verabschieden.

Solange andere sterben.

Und selbst die Grünen marschieren politisch in eine andere Richtung

Gerade Bündnis 90/Die Grünen zeigen, wie grundlegend sich die politische Landschaft verändert hat.

Die Partei besitzt starke historische Wurzeln in der Friedens-, Umwelt- und Anti-Atom-Bewegung.

Heute unterstützt sie zentrale Elemente einer stärkeren militärischen Verteidigungsfähigkeit.

Dafür gibt es eine politische Begründung: den russischen Angriff auf die Ukraine und die dadurch fundamental veränderte europäische Sicherheitslage.

Das muss benannt werden.

Aber genauso muss gefragt werden:

Was geschieht mit einer Gesellschaft, wenn selbst politische Kräfte mit starken Wurzeln in der Friedensbewegung militärischer Abschreckung inzwischen einen wesentlich höheren Stellenwert geben?

Wer bildet dann noch das politische Gegengewicht?

Wer spricht über Abrüstung?

Wer über Rüstungskontrolle?

Wer über eine europäische Friedensordnung?

Wer über Verständigung?

Wer über Diplomatie?

45.000 Schülerinnen und Schüler sagen Nein

Am 25. September gingen junge Menschen gegen den neuen Wehrdienst und eine mögliche Wehrpflicht auf die Straße.

In rund 100 Städten.

Die Initiative „Schulstreik gegen Wehrpflicht“ spricht von mehr als 45.000 Teilnehmerinnen und Teilnehmern.

45.000.

Das ist nicht wenig.

Aber erinnern wir uns an einen anderen Freitag.

Den 20. September 2019.

Fridays for Future hatte zum Klimastreik aufgerufen.

Nach Angaben der Bewegung demonstrierten allein in Deutschland rund 1,4 Millionen Menschen.

1.400.000.

Gegenüber etwas mehr als 45.000.

Natürlich lassen sich die beiden Proteste nicht eins zu eins vergleichen.

Fridays for Future hatte monatelang mobilisiert. Der 20. September 2019 war der Höhepunkt einer internationalen Bewegung.

Aber die Größenordnungen sagen trotzdem etwas.

Die Friedens- und Antikriegsbewegung erreicht derzeit nicht annähernd jene gesellschaftliche Mobilisierung, die der Klimabewegung zeitweise gelungen ist.

Und in Leipzig wird es noch deutlicher.

500 gegen eine Raketenfabrik

Am 19. September demonstrierten in Leipzig nach Schätzungen vor Ort ungefähr 500 Menschen gegen die geplante Raketenproduktion.

In einer Stadt mit mehr als 600.000 Einwohnerinnen und Einwohnern.

Ein amerikanisches Rüstungsunternehmen will hier künftig Tausende weitreichende Flugkörper produzieren.

500 Menschen gehen dagegen auf die Straße.

Vielleicht ist das Gleichgültigkeit.

Vielleicht Resignation.

Vielleicht mangelnde Information.

Vielleicht aber auch Zustimmung.

Denn die Bevölkerungsbefragung der Bundeswehr lässt eine unbequeme Erklärung zu:

Vielleicht will ein erheblicher Teil dieser Gesellschaft tatsächlich genau diese militärische Stärkung.

Dann sollte darüber aber offen gesprochen werden.

Nicht unter technischen Begriffen.

Nicht hinter „Produktionskapazitäten“.

Nicht hinter „Resilienz“.

Nicht hinter „Sondervermögen“.

Sondern darüber, was Kriegstüchtigkeit bedeutet.

Zur Kriegstüchtigkeit gehört die Möglichkeit des Krieges

Sonst wäre das Wort sinnlos.

Soldaten werden nicht für Paraden ausgebildet.

Marschflugkörper werden nicht für Ausstellungen produziert.

Panzer werden nicht gekauft, damit sie in Hallen stehen.

Die Abschreckungslogik sagt:

Wir müssen zum Krieg fähig sein, damit wir ihn nicht führen müssen.

Das ist die Position ihrer Befürworter.

Die entscheidende Gegenfrage lautet:

Wie verhindern wir, dass die Vorbereitung auf einen möglichen Krieg selbst immer stärker zum bestimmenden Prinzip unserer Politik wird?

Denn Sicherheit entsteht nicht ausschließlich durch Waffen.

Sicherheit entsteht auch durch Verträge.

Rüstungskontrolle.

Diplomatie.

Wirtschaftliche Zusammenarbeit.

Internationale Institutionen.

Kommunikation.

Vertrauensbildende Maßnahmen.

Und durch die Fähigkeit, selbst mit einem politischen Gegner zu sprechen, dessen Handlungen man ablehnt.

Der Krieg in der Ukraine sollte eigentlich die größte Warnung sein

Russland hat am 24. Februar 2022 die Ukraine angegriffen.

Die Entscheidung zum Angriff traf die russische Führung.

Daran gibt es nichts zu relativieren.

Aber wer verhindern will, dass Kriege entstehen, muss trotzdem ihre Vorgeschichte untersuchen dürfen.

Russland kritisierte die NATO-Osterweiterung seit den 1990er-Jahren.

Die mögliche Mitgliedschaft der Ukraine und Georgiens bezeichnete Moskau als sicherheitspolitische Bedrohung.

2008 erklärte die NATO in Bukarest gleichzeitig ausdrücklich, dass beide Staaten künftig Mitglieder des Bündnisses werden sollten.

Wie stark diese Entwicklung zur späteren Eskalation beigetragen hat, ist wissenschaftlich und politisch umstritten.

Einige Experten betrachten die NATO-Erweiterung als wichtigen Bestandteil russischer Bedrohungswahrnehmung.

Andere sehen Putins imperiales Verständnis der Ukraine und seinen Anspruch auf eine russische Einflusssphäre als entscheidender an.

Beides muss diskutiert werden dürfen.

Denn Vorgeschichte ist keine Rechtfertigung.

Und Ursachenforschung ist keine Parteinahme.

Sie ist Voraussetzung dafür, aus Geschichte zu lernen.

Hunderttausende Menschen später

Der Preis des Scheiterns ist längst sichtbar.

Tote.

Verwundete.

Amputierte.

Traumatisierte.

Vertriebene.

Zerstörte Städte.

Kinder ohne Eltern.

Eltern ohne Kinder.

Menschen ohne Wohnungen.

Menschen ohne Zukunft.

Auf russischer Seite.

Auf ukrainischer Seite.

Und trotzdem reden wir in Europa immer häufiger darüber, wie der nächste Krieg geführt werden könnte.

Welche Waffen wir brauchen.

Welche Reichweiten.

Welche Produktionskapazitäten.

Welche Soldatenzahlen.

Welche Infrastruktur.

Welche Marschflugkörper.

Welche Drohnen.

Vielleicht sollten wir wieder häufiger darüber sprechen, wie der nächste Krieg verhindert werden kann.

Denn Krieg findet niemals nur auf dem Kasernengelände statt

Das zeigt dieses Wochenende in Südengland.

85 Haushalte müssen ihre Wohnungen verlassen.

Nicht die Soldaten.

Die Nachbarn.

Das zeigt der Flughafen Leipzig/Halle.

Eine Sprengstoffdrohne.

Mitten in Deutschland.

Das zeigt die gesamte Geschichte moderner Kriege.

Militärische Infrastruktur und ziviles Leben lassen sich auf einer Landkarte trennen.

In der Wirklichkeit liegen sie nebeneinander.

Und deshalb muss Leipzig darüber diskutieren, was es bedeutet, wenn zur militärischen Logistik des Flughafens nun auch noch die industrielle Produktion Tausender weitreichender Flugkörper kommt.

Und dann sitzt Pistorius in Washington

Am 9. September werden Covenants Produktionspläne für Deutschland öffentlich konkret.

Sechs Tage später trifft Boris Pistorius seinen amerikanischen Amtskollegen Pete Hegseth in Washington.

Deutschland und die USA vereinbaren eine engere Zusammenarbeit ihrer Rüstungsindustrien.

Gemeinsame Entwicklung.

Produktion.

Lizenzfertigung.

Größere Kapazitäten.

Gleichzeitig wird über eine deutsche Beschaffung amerikanischer Tomahawk-Marschflugkörper gesprochen.

Ein direkter Zusammenhang zwischen dieser Vereinbarung und Covenant ist bislang nicht öffentlich belegt.

Gerade deshalb muss danach gefragt werden.

War Covenant Gegenstand der Gespräche?

War Anthem Thema?

Seit wann wusste das Bundesverteidigungsministerium von den Leipziger Plänen?

Ist die Bundeswehr ein möglicher Kunde?

Gehört Covenant zu jener neuen deutsch-amerikanischen Rüstungskooperation, die Pistorius und Hegseth vereinbart haben?

Oder laufen beide Entwicklungen tatsächlich unabhängig voneinander?

Das sind keine Verschwörungstheorien.

Das sind Fragen, die eine demokratische Öffentlichkeit stellen darf.

Denn die Fabrik fällt nicht vom Himmel

Die Wirtschaftsförderung Sachsen unterstützte die Standortsuche.

Leipzig beteiligte sich daran.

Damit stellt sich eine weitere Frage:

Wer entscheidet eigentlich darüber, welche militärische Funktion eine Stadt übernimmt?

Ein amerikanisches Unternehmen?

Eine Wirtschaftsförderung?

Eine Stadtverwaltung?

Eine Landesregierung?

Der Bund?

Oder irgendwann auch die Menschen, die dort wohnen?

Bislang gibt es keinen öffentlich belegten Nachweis, dass Stadt, Freistaat und Bundesregierung gemeinsam eine fertige Genehmigung für die gesamte Fabrik erteilt hätten.

Auch über mögliche öffentliche Fördermittel ist noch zu wenig bekannt.

Also muss gefragt werden.

Welche Zusagen wurden gemacht?

Welche Genehmigungen sind notwendig?

Welche Förderungen wurden beantragt?

Welche Behörden waren beteiligt?

Seit wann liefen Gespräche?

Wer wusste was?

Und wann?

Vielleicht ist das der eigentliche Denkanstoß

Wir reden über Kriegstüchtigkeit.

Über Abschreckung.

Über Marschflugkörper.

Über Wehrdienst.

Über Milliarden.

Über Produktionskapazitäten.

Und gleichzeitig müssen in England 85 Familien ihre Häuser verlassen, weil sie neben einer militärisch genutzten Einrichtung wohnen.

Am Flughafen Leipzig/Halle wird eine Sprengstoffdrohne gefunden.

Und wenige Kilometer entfernt soll künftig eine Fabrik Tausende weitreichende Flugkörper produzieren.

Vielleicht sollten wir deshalb eine sehr einfache Frage stellen:

Macht uns immer mehr militärische Infrastruktur tatsächlich immer sicherer?

Die Befürworter der Abschreckung sagen ja.

Ich stelle dagegen eine andere Frage:

Wann beginnen wir mit derselben politischen Energie, mit demselben Geld und mit derselben Entschlossenheit für Frieden, Rüstungskontrolle und Diplomatie zu arbeiten?

139,6 Milliarden Euro für Verteidigung sind konkret.

5.000 Marschflugkörper sind konkret.

Neue Soldaten sind konkret.

Neue Fabriken sind konkret.

Diplomatie ist schwieriger zu fotografieren.

Ein verhinderter Krieg produziert keine Bilder.

Ein Friedensvertrag rollt nicht über den roten Teppich einer Rüstungsmesse.

Vielleicht ist Frieden gerade deshalb politisch so schwer zu verkaufen.

Sein größter Erfolg besteht darin, dass etwas nicht geschieht.

Keine Explosion.

Keine Evakuierung.

Keine Toten.

Keine Eltern, die ihre Kinder begraben.

Keine Kinder, die ohne Eltern aufwachsen.

Vielleicht sollten wir wieder lernen, genau diesen Zustand als politischen Erfolg zu begreifen.

Nicht Kriegstüchtigkeit.

Friedenstüchtigkeit.

Denn am Ende schützt keine politische Vokabel die Menschen, die neben einem militärischen Standort wohnen.

Fairford hat uns das an diesem Wochenende gezeigt.

Leipzig/Halle hat es uns gezeigt.

Und Leipzig sollte darüber reden, bevor aus einer weiteren militärischen Infrastruktur eine Selbstverständlichkeit geworden ist.


Weitere Beiträge dazu:

Denkanstoß des Tages – Eure Kinder zuerst?

Denkanstoß des Tages – Krieg frisst das kulturelle Gedächtnis

Denkanstoß des Tages – Ostermärsche 2026: Der Offenbarungseid einer sedierten Gesellschaft

Denkanstoß des Tages: Solidarität ist die härteste Waffe gegen Kapital, Krieg und politische Hörigkeit

Mahnwache für den Frieden – Auf die Straße!

Ole Nymoens Abrechnung mit der Kriegstüchtigkeit – Rezension zu Warum ich niemals für mein Land kämpfen würde


Grafik:

KI-generiert mit ChatGPT/OpenAI auf Basis der im Beitrag genannten Quellen.


Hinweis auf die Nutzung von KI

Für die Analyse von Dokumenten und für die Recherche der entsprechenden Medien wurde künstliche Intelligenz genutzt (Copilot, ChatGPT).


Quellen und weiterführende Grundlagen

Metropolitan Police – offizieller Ermittlungsstand zum Vorfall bei RAF Fairford am 27. September 2026:

https://news.met.police.uk/news/counter-terrorism-policing-update-in-relation-to-incident-in-gloucestershire-513316

Tagesschau – Sprengstoffdrohne am Flughafen Leipzig/Halle:

https://www.tagesschau.de/investigativ/drohne-leipzig-100.html

Tagesschau – weitere Ermittlungen zum Anschlagsversuch in Leipzig/Halle:

https://www.tagesschau.de/investigativ/ndr-wdr/drohne-leipzig-110.html

Tagesschau – möglicher Angriff auf militärisch genutzte Transporte am Flughafen Leipzig/Halle:

https://www.tagesschau.de/investigativ/drohnenfund-leipzig-100.html

Deutscher Bundestag – Antwort der Bundesregierung zur militärischen Nutzung des Flughafens Leipzig/Halle und den US-Truppentransporten:

https://dserver.bundestag.de/btd/16/043/1604343.pdf

Reuters – Covenant Industries und geplante Anthem-Produktion in Deutschland:

https://www.reuters.com/business/aerospace-defense/us-startup-covenant-launch-cruise-missile-production-germany-next-year-2026-09-09/

Reuters – Anthem, Investoren und internationale Produktionsstrategie von Covenant:

https://www.reuters.com/business/aerospace-defense/silicon-valley-backed-covenant-unveils-low-cost-mass-producible-cruise-missile-2026-09-09/

Reuters – deutsch-amerikanische Rüstungskooperation nach dem Treffen Pistorius/Hegseth:

https://www.reuters.com/business/aerospace-defense/germany-us-sign-agreement-deepen-defense-cooperation-between-industries-2026-09-15/

Deutscher Bundestag – Verteidigungsausgaben für 2027:

https://www.bundestag.de/dokumente/textarchiv/2026/kw37-de-verteidigung-1194766

Zentrum für Militärgeschichte und Sozialwissenschaften der Bundeswehr – Bevölkerungsbefragung 2026:

https://zms.bundeswehr.de/de/publikationen-ueberblick/bevoelkerungsbefragung-2026-wehrbereitschaft-deutschland-6150566

ZMSBw – Presseinformation zur Bevölkerungsbefragung 2026 und zum „gesamtgesellschaftlichen Konsens“:

https://www.presseportal.de/pm/171701/6355547

ZMSBw – Bevölkerungsbefragung 2025 und längerfristige Entwicklung:

https://zms.bundeswehr.de/de/publikationen-ueberblick/bevoelkerungsbefragung-2025-deutschland-fuehrungsrolle–5990790

Tagesschau – bundesweiter Schülerstreik gegen Wehrpflicht am 25. September 2026:

https://www.tagesschau.de/inland/gesellschaft/wehrpflicht-proteste-schueler-100.html

Fridays for Future – Rückblick auf den Klimastreik mit rund 1,4 Millionen Teilnehmenden in Deutschland:

https://fridaysforfuture.de/eine-bewegung-wird-fuenf/

Leipziger Zeitung – Demonstration gegen die geplante Raketenfabrik am 19. September 2026:

https://www.l-iz.de/der-tag/2026/09/das-wochenende-19-20-september-2026-demos-in-leipzig-und-zwei-wahlen-am-sonntag-671139

Council on Foreign Relations – NATO-Erweiterung und russische Sicherheitsforderungen:

https://www.cfr.org/backgrounders/why-nato-has-become-flash-point-russia-ukraine

NATO – Erklärung des NATO-Gipfels von Bukarest 2008:

https://www.nato.int/cps/en/natolive/official_texts_8443.htm


[1] Fußnote: Wer steckt hinter Covenant Industries?

Covenant Industries ist kein traditionsreicher Rüstungskonzern wie Lockheed Martin, RTX oder Northrop Grumman. Das Unternehmen wurde erst 2024 gegründet und arbeitete anschließend fast zwei Jahre weitgehend außerhalb der Öffentlichkeit. Erst im September 2026 trat Covenant mit seinem Marschflugkörpersystem Anthem offen auf. Hinter dem Unternehmen steht ein bemerkenswertes Netzwerk aus amerikanischem und israelischem Rüstungs-Know-how, Silicon-Valley-Risikokapital, ehemaligen Militärs und professioneller politischer Interessenvertretung.

Die Gründer

Gegründet wurde Covenant von Michael Kaufman und Ofir Dayan.

Kaufman ist amerikanisch-israelischer Staatsbürger und CEO des Unternehmens. Seine Verbindung zur Welt Peter Thiels ist dokumentiert: Kaufman arbeitete vor der Gründung Covenants als Investor bei Thiel Capital. Das britische Unternehmensregister weist Kaufman bei der dortigen Covenant Industries Limited zudem als Person mit erheblicher Kontrolle aus. Er hält dort mehr als 25, aber höchstens 50 Prozent der Anteile und Stimmrechte und besitzt das Recht, Direktoren zu ernennen oder abzuberufen.

Mitgründer Ofir Dayan verantwortet die technische Entwicklung. Covenant-Chef Kaufman bezeichnet ihn selbst als Leiter des zentralen Missile-Engineering-Teams. Öffentlich zugängliche Unternehmensdaten führen Dayan zuvor als R&D Division Head beim israelischen Rüstungskonzern Rafael Advanced Defense Systems. Verschiedene Medien bringen seine frühere Tätigkeit dort mit israelischer Flugkörper- und Raketenabwehrtechnologie in Verbindung. Die konkrete Behauptung, Dayan habe persönlich am Iron-Dome-System gearbeitet, ist jedoch nicht durch Covenant selbst bestätigt und sollte deshalb nur mit entsprechender Quellenkennzeichnung verwendet werden.

Covenant beschreibt sein Entwicklerteam selbst als eine Gruppe von Ingenieuren, die zuvor bei amerikanischen, israelischen und deutschen Rüstungskonzernen gearbeitet und dort offensive und defensive Waffensysteme entwickelt hätten.

Das Unternehmen ist damit von Beginn an transnational angelegt.

  • USA.
  • Israel.
  • Deutschland.

Das Kapital hinter Covenant

Covenant hat nach eigenen Angaben innerhalb von weniger als zwei Jahren rund 250 Millionen US-Dollar eingesammelt. Das israelische Wirtschaftsmedium Calcalist berichtete beim öffentlichen Auftreten des Unternehmens von einer Bewertung von mehr als einer Milliarde Dollar.

Damit wäre das erst 2024 gegründete Unternehmen bereits ein sogenanntes Unicorn.

Zu den öffentlich genannten Investoren gehören:

Andreessen Horowitz (a16z)

Einer der einflussreichsten Venture-Capital-Fonds des Silicon Valley. Andreessen Horowitz investiert über seinen Bereich „American Dynamism“ gezielt in Unternehmen aus Verteidigung, Raumfahrt, öffentlicher Infrastruktur und nationaler Sicherheit. a16z bestätigt seine Investition in Covenant selbst.

Founders Fund

Der Founders Fund gehört zu den bekanntesten Technologieinvestoren der USA. Zu seinen Mitgründern gehört Peter Thiel. Der Fonds investierte unter anderem früh in Palantir, SpaceX und andere Technologieunternehmen.

Für Covenant ist die Verbindung zu Thiels Umfeld deshalb doppelt vorhanden: Der Unternehmensgründer Michael Kaufman arbeitete zuvor bei Thiel Capital und der Founders Fund gehört zu den Kapitalgebern Covenants.

Das bedeutet allerdings nicht, dass Peter Thiel persönlich Eigentümer von Covenant ist oder das Unternehmen kontrolliert. Belegt ist die Beteiligung des von ihm mitgegründeten Founders Fund.

Lux Capital

Ein amerikanischer Venture-Capital-Fonds mit starkem Schwerpunkt auf Deep Tech, Raumfahrt, Verteidigung und technologisch anspruchsvollen Industrieunternehmen.

8VC

Ein weiterer bedeutender US-Technologieinvestor. Der Fonds bestätigt Covenant in seinem Beteiligungsumfeld.

Lightspeed Venture Partners

Ein international tätiger Venture-Capital-Investor mit Beteiligungen an Technologieunternehmen in den USA, Europa, Israel und Asien.

Aleph

Ein israelischer Venture-Capital-Fonds, gegründet unter anderem von Michael Eisenberg. Damit findet sich neben dem amerikanischen Risikokapital auch ein unmittelbar israelischer Investor unter den Kapitalgebern.

Altimeter Capital

Covenant selbst nennt Altimeter ebenfalls als Investor.

Calcalist fasste die Finanzierungsstruktur im September 2026 mit mehr als 250 Millionen Dollar aus drei Finanzierungsrunden zusammen. Genannt wurden unter anderem Andreessen Horowitz, Founders Fund, 8VC, Lux Capital, Lightspeed und Aleph.

Das ist bemerkenswert, weil hier nicht die klassische Rüstungsindustrie ein neues Flugkörpersystem finanziert.

Es ist Risikokapital.

Das Geschäftsmodell des Silicon Valley trifft auf die Produktion strategischer Waffen.

Die erklärte Strategie: Waffen in Masse

Covenant versteckt seine strategischen Vorstellungen nicht.

Michael Kaufman schreibt in der Vorstellung des Unternehmens selbst, der Westen müsse sich auf mögliche lang andauernde Kriege gegen Staaten wie Russland und China vorbereiten.

Seine Diagnose:

  • Der Westen verfüge über zu wenige weitreichende Waffen.
  • Die vorhandenen Systeme seien zu teuer.
  • Die Stückzahlen seien zu gering.

Covenants Antwort darauf ist Anthem.

Nicht der einzelne technologisch möglichst perfekte Flugkörper steht im Mittelpunkt, sondern dessen industrielle Skalierbarkeit.

Kaufman formuliert das Ziel ausdrücklich als Produktion in großer Masse.

Covenant will Flugkörper zu Tausenden herstellen, lagern und einsetzen können.

Dafür baut das Unternehmen Produktionskapazitäten in drei Staaten auf:

  • den USA,
  • Deutschland
  • und Israel.

Die amerikanische Fabrik in Dallas umfasst nach Unternehmensangaben rund 105.000 Quadratfuß. Die deutsche Anlage soll etwa 110.000 Quadratfuß groß werden. Für Israel nennt Covenant etwa 30.000 Quadratfuß.

Ab 2027 sollen jährlich Tausende Anthem produziert werden.

Reuters berichtet über eine perspektivische Gesamtkapazität von bis zu 12.000 Flugkörpern pro Jahr.

Covenant gibt außerdem an, bereits Aufträge im Umfang von ungefähr 150 Millionen Dollar erhalten zu haben. Zu den Kunden beziehungsweise Vertragspartnern gehören demnach die US Army, die US Navy sowie internationale Verbündete.

Die israelische Verbindung

Israel ist für Covenant nicht lediglich Absatzmarkt.

Das Land gehört zur industriellen und technologischen Struktur des Unternehmens.

Covenant baut dort eine eigene Produktionsstätte auf. Mitgründer Ofir Dayan kommt aus der israelischen Rüstungsindustrie. Teile des technischen Teams besitzen nach Darstellung Covenants Erfahrungen aus israelischen Rüstungsunternehmen.

Das Unternehmen ist deshalb präziser als amerikanisches Rüstungsunternehmen mit ausgeprägter amerikanisch-israelischer personeller und industrieller Struktur zu beschreiben.

Eine weitergehende Behauptung, Covenant sei ein israelisches Staatsunternehmen oder werde von der israelischen Regierung kontrolliert, wäre dagegen nicht belegt.

Ebenso gibt es bislang keinen belastbaren öffentlichen Nachweis dafür, dass Anthem von den israelischen Streitkräften im Gaza-Krieg eingesetzt wurde.

Und dann kommt Deutschland

Auch hier begann Covenant nicht erst mit der öffentlichen Ankündigung einer Fabrik in Sachsen.

Die deutsche Covenant Industries GmbH ist seit dem 7. Mai 2026 im Lobbyregister des Deutschen Bundestages eingetragen.

Registernummer: R007985

Als Tätigkeitsfelder nennt das Unternehmen unter anderem:

  • Außenpolitik,
  • internationale Beziehungen,
  • Gemeinsame Außen- und Sicherheitspolitik der Europäischen Union,
  • Rüstungsangelegenheiten
  • und Verteidigungspolitik.

Im aktuellen Registereintrag werden drei Personen genannt, die unmittelbar Interessenvertretung betreiben:

  • Abigail Denburg, Chief Growth Officer,
  • Ari Goodman, Growth,
  • und Carl Tobias Reichert, Government Relations.

Bei Reichert enthält das Lobbyregister eine bemerkenswerte Zusatzinformation.

Bis Mai 2026 arbeitete er als wissenschaftlicher Mitarbeiter für den Bundestagsabgeordneten Dr. Sebastian Schäfer (Bündnis 90/Die Grünen), der unter anderem im Haushaltsausschuss sitzt und stellvertretendes Mitglied des Verteidigungsausschusses ist. Reicherts beruflicher Hintergrund weist zudem Verbindungen in das transatlantische wirtschaftspolitische Umfeld auf. Sein Wechsel aus dem Bundestagsumfeld in die Interessenvertretung eines US-Rüstungsunternehmens ist deshalb für die Untersuchung der politischen Netzwerke Covenants relevant. Belege für eine unzulässige Einflussnahme, eine Beteiligung Reicherts an der Leipziger Standortentscheidung oder an Beschaffungsentscheidungen der Bundeswehr liegen bislang nicht vor.

Dieser Wechsel ist öffentlich dokumentiert. Daraus ergibt sich für sich genommen kein Hinweis auf rechtswidriges oder unzulässiges Verhalten. Er zeigt aber, dass Covenant beim Aufbau seiner deutschen Regierungsbeziehungen auf Personal mit unmittelbarer Erfahrung aus dem Deutschen Bundestag zurückgreift.

Professionelle Unterstützung für Kontakte zu Bundesregierung und Bundestag

Covenant beschränkt seine politische Interessenvertretung in Deutschland nicht auf eigenes Personal.

Das Unternehmen hat zusätzlich Rasmussen Global Consulting beauftragt.

Und hier wird das Lobbyregister bemerkenswert konkret.

Rasmussen Global soll Covenant bei der Bewertung sicherheits-, verteidigungs- und industriepolitischer Entwicklungen unterstützen.

Außerdem geht es laut Register ausdrücklich um die: „strategische Positionierung gegenüber politischen Stakeholdern auf nationaler und europäischer Ebene“.

Der Auftrag umfasst darüber hinaus Unterstützung bei der Kontaktaufnahme sowie bei der Vor- und Nachbereitung von Terminen mit Mitgliedern der Bundesregierung und des Deutschen Bundestages.

Als für den Covenant-Auftrag eingesetzte Personen nennt das Lobbyregister:

Nils Lange

und

Olaf Böhnke.

Damit ist zumindest eines eindeutig dokumentiert:

Covenant baute schon vor der breiten öffentlichen Diskussion über die Leipziger Raketenfabrik professionelle Strukturen auf, um Zugang zu den politischen Entscheidungszentren in Berlin und auf europäischer Ebene zu erhalten.

Welche konkreten Gespräche daraus entstanden sind, lässt sich aus dem Lobbyregister dagegen nicht vollständig rekonstruieren.

Ein ehemaliger deutscher General berät Covenant

Hinzu kommt ein weiterer Name: Generalleutnant a. D. Andreas Marlow.

Covenant bestätigte gegenüber deutschen Medien, dass Marlow das Unternehmen in Deutschland berät.

Generalleutnant a. D. Andreas Marlow ist ein ehemaliger hochrangiger Bundeswehrgeneral mit umfangreicher Führungs-, NATO- und Einsatzerfahrung. Für die Covenant-Recherche ist besonders relevant, dass er nach seiner militärischen Laufbahn als Berater des Unternehmens in Deutschland genannt wird.

Marlow, Jahrgang 1963, trat 1982 in die Bundeswehr ein und stammt aus der Panzertruppe. Er studierte Pädagogik an der Universität der Bundeswehr Hamburg und absolvierte später die Generalstabsausbildung in Deutschland und Kanada.

Seine Karriere führte ihn in zahlreiche Spitzenverwendungen. Er kommandierte unter anderem die Panzergrenadierbrigade 41 „Vorpommern“, die Division Schnelle Kräfte und von 2020 bis 2022 das I. Deutsch-Niederländische Corps. 2014/15 leitete er außerdem das Büro des Generalinspekteurs der Bundeswehr im Bundesverteidigungsministerium. Auslandserfahrung sammelte Marlow im Kosovo und in Afghanistan; von 2019 bis 2020 war er Chef des Stabes der NATO-Mission Resolute Support in Kabul.

Besonders relevant für den Ukraine-Kontext: Von November 2022 bis November 2024 führte Marlow das Special Training Command der EU-Ausbildungsmission EUMAM Ukraine. Dieses Kommando koordinierte die Ausbildung ukrainischer Streitkräfte auf deutschem Boden.

Ab September 2023 war er zugleich Stellvertreter des Inspekteurs des Heeres und Kommandeur der Militärischen Grundorganisation. Damit gehörte er zur obersten Führungsebene des deutschen Heeres. Inzwischen ist er aus dem aktiven Dienst ausgeschieden; die aktuelle Bundeswehr-Führungsübersicht führt seit September 2025 Generalleutnant Heico Hübner auf dieser Position.

Auch hier gilt:

Die Tätigkeit eines ehemaligen Generals für ein Rüstungsunternehmen ist für sich genommen kein Beleg für unzulässige Einflussnahme.

Für die Frage, welche Netzwerke Covenant beim Eintritt in den deutschen Rüstungsmarkt nutzt, ist diese Verbindung jedoch relevant.

Gespräche mit Bundeswehr und Beschaffungsbehörde

Nach Informationen der Deutschen Presse-Agentur, über die unter anderem ZDF berichtet, befindet sich Covenant bereits in Gesprächen mit der Bundeswehr und ihrer Beschaffungsorganisation.

Eine offizielle Bestätigung über Inhalt, Teilnehmer, Zeitpunkt oder möglichen Beschaffungsstatus dieser Gespräche liegt bislang nicht vollständig öffentlich vor.

Gleichzeitig erklärte Covenant, bereits einen Produktionsvertrag für Lieferungen aus Deutschland zu besitzen.

Der betreffende europäische Kunde wurde nicht genannt.

Damit bleiben mehrere zentrale Fragen offen:

Ist Deutschland dieser Kunde?

Prüft die Bundeswehr Anthem?

Seit wann gibt es Kontakte zwischen Covenant, Bundesverteidigungsministerium, Bundeswehr und Beschaffungsbehörden?

Welche Rolle spielten die politischen Berater?

Welche Rolle spielte Andreas Marlow?

Und wusste das Bundesverteidigungsministerium bereits von der geplanten deutschen Massenproduktion, bevor diese im September 2026 öffentlich bekannt wurde?

Was sich also tatsächlich sagen lässt

Hinter Covenant steht kein einzelner geheimnisvoller Investor.

Es ist ein Netzwerk.

An der Spitze stehen der amerikanisch-israelische Unternehmer und frühere Thiel-Capital-Investor Michael Kaufman sowie der aus der israelischen Rüstungsentwicklung kommende Ofir Dayan.

Finanziert wird das Unternehmen von einigen der finanzstärksten Technologieinvestoren des Silicon Valley und Israels. Darunter:

  • Andreessen Horowitz.
  • Founders Fund.
  • Lux Capital.
  • 8VC.
  • Lightspeed.
  • Aleph.
  • Altimeter.

Das Unternehmen verfügt über Produktions- und Entwicklungsstrukturen in den USA, Deutschland und Israel.

In Deutschland betreibt es registrierte politische Interessenvertretung.

Es beschäftigt einen Government-Relations-Mitarbeiter, der unmittelbar zuvor im Deutschen Bundestag tätig war.

Es engagiert mit Rasmussen Global zusätzliche professionelle politische Beratung für Kontakte zu Bundesregierung und Bundestag.

Und es lässt sich von einem ehemaligen hochrangigen Bundeswehrgeneral beraten.

Diese einzelnen Tatsachen beweisen keine unzulässige politische Einflussnahme.

Zusammengenommen zeigen sie jedoch sehr deutlich, dass Covenant nicht einfach eine Fabrikhalle in Sachsen mietet.

Das Unternehmen baut gleichzeitig Kapital, Produktion, militärische Expertise und politischen Zugang auf.

Und genau deshalb gehört zur Diskussion über die Leipziger Raketenfabrik nicht nur die Frage:

Was wird dort produziert?

Sondern auch:

Wer finanziert es, wer vertritt seine Interessen – und wer spricht mit wem, bevor politische und industrielle Tatsachen geschaffen werden?


Quellen zur Fußnote – vollständige URLs

Covenant/Andreessen Horowitz – ausführliche Selbstdarstellung von Michael Kaufman zu Anthem, Unternehmensstrategie, Ofir Dayan und Produktionsstandorten:

https://www.a16z.news/p/introducing-covenant

Reuters – Anthem, Investoren, Aufträge und Produktionsstrategie:

https://www.reuters.com/business/aerospace-defense/silicon-valley-backed-covenant-unveils-low-cost-mass-producible-cruise-missile-2026-09-09/

Financial Times – Covenant, Founders Fund, Gründer, Finanzierung und Produktionspläne:

https://www.ft.com/content/b66ff736-528b-4e3e-a43a-f06749d01991

Calcalist/CTech, Israel – Unternehmensgründung, Finanzierung von mehr als 250 Millionen Dollar, Bewertung von mehr als einer Milliarde Dollar und Investoren:

https://www.calcalistech.com/ctechnews/article/hjhm5saugx

Calcalist/CTech – Michael Kaufmans frühere Tätigkeit bei Thiel Capital und Anthem-Test in Marokko:

https://www.calcalistech.com/ctechnews/article/s1m11qjtlge

Britisches Unternehmensregister Companies House – Michael Benjamin Kaufman als Person mit erheblicher Kontrolle bei Covenant Industries Limited:

https://find-and-update.company-information.service.gov.uk/company/16867866/persons-with-significant-control

Lobbyregister des Deutschen Bundestages – Covenant Industries GmbH, Registernummer R007985:

https://www.lobbyregister.bundestag.de/suche/R007985

Lobbyregister des Deutschen Bundestages – historischer Covenant-Eintrag vom 7. Mai 2026:

https://www.lobbyregister.bundestag.de/media/20/2f/733495/Lobbyregister-Registereintraege-Detailansicht-R007985-2026-05-07_14-31-59.pdf

Lobbyregister des Deutschen Bundestages – Rasmussen Global Consulting, einschließlich Auftrag für Covenant Industries:

https://www.lobbyregister.bundestag.de/suche/R004932

ZDFheute – Covenant in Sachsen, Gespräche mit Bundeswehr/Beschaffungsseite und Beratung durch Generalleutnant a. D. Andreas Marlow:

https://www.zdfheute.de/wirtschaft/unternehmen/sachsen-covenant-waffe-marschflugkoerper-100.html

MDR – Covenant, Michael Kaufman, Thiel Capital und deutsche Lobbystruktur:

https://www.mdr.de/nachrichten/deutschland/politik/ruestung-leipzig-flughafen-marschflugkoerper-bundeswehr-jung-%2Ccovenant-industries-100.html

DIE ZEIT – Founders Fund/Peter Thiel, Andreas Marlow und Covenant:

https://www.zeit.de/politik/ausland/2026-09/covenant-ruestungsunternehmen-marschflugkoerper-leipzig-anthem-gxe

Crunchbase – beruflicher Hintergrund von Ofir Dayan bei Rafael Advanced Defense Systems:

https://www.crunchbase.com/person/ofir-dayan

Dr. Sebastian Schäfer:

https://www.bundestag.de/abgeordnete/biografien/S/schaefer_sebastian-1046998

Lobbyregister des Deutschen Bundestages:

https://www.lobbyregister.bundestag.de/suche/R007985

Informationen zu Generalleutnant a. D. Andreas Marlow

https://www.bundeswehr.de/resource/blob/136126/6288b799cd552489aec7898f2b570660/04-download-kdoh-kdr-stv-insph-und-mgo-vita-data.pdf

https://www.bundeswehr.de/resource/blob/136126/2c0174dcced3bf53817d62ffbf528d05/download-kdoh-vita-kdrmnkmgo-data.pdf

https://www.bundeswehr.de/resource/blob/136126/6288b799cd552489aec7898f2b570660/04-download-kdoh-kdr-stv-insph-und-mgo-vita-data.pdf

https://www.bundeswehr.de/de/organisation/heer/struktur/kommando-heer